[Projekt: Leben]

Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com

[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben. Hier lernst du, deine "Personal Projects" clever zu managen, sodass du all die Dinge verwirklichen kannst, die dir wirklich wichtig sind - und damit zu einem erfüllten Leben findest. Von und mit: Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com read less
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Season 9

S09E01: Dunkle und düstere Projekte (#87)
Mar 13 2020
S09E01: Dunkle und düstere Projekte (#87)
Worum geht’s in dieser Folge?Willkommen zur ersten Folge der neunten Staffel von [Projekt: Leben]! In dieser neuen Staffel möchte ich mich mit einer besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich unseren dunklen und düsteren Projekten.Dunkle und düstere Projekte… Was meine ich damit? Naja, ich habe dafür keine genaue Definition, aber ich verstehe darunter alle Personal Projects, die irgendwie im Schatten oder Halbschatten unseres Lebens leben. Es sind Projekte, die meist hinter dem Vorhang bleiben, über die wir nicht reden, von denen wir nicht wollen, dass andere von ihnen wissen. Und genau über solche Projekte soll es in dieser Staffel gehen. Ich will sie für die kommenden zwölf Folgen vor den Vorhang holen und mit dem Scheinwerfer der Personal Projects Theorie die dunklen und düsteren Ecken unseres Personal Projects Systems ausleuchten. Und dazu, liebe Hörerin, lieber Hörer, heiße ich euch herzlich willkommen! In dieser Folge möchte ich mal einen Blick darauf werfen, warum manche unserer Personal Projects eben solche dunkle und düstere Projekte sind. Mit anderen Worten: Was macht ein Personal Projects eigentlich dunkel und düster? 1. Möglichkeit: Wir kennen sie gar nichtJa, ich behaupte, es gibt eine wahrscheinlich gar nicht so kleine Zahl an Personal Projects, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie haben. Wir kennen sie gar nicht. Ich glaube sogar: Die wichtigsten Projekte in unserem Leben haben wir gar nicht auf unserer Agenda! Warum glaube ich das? Weil, und davon bin ich fest überzeugt, weil uns in der Regel nicht bewusst ist, was uns antreibt. Es geht also um das wirkliche Projekt hinter einem vordergründigen Personal Project. Ein Beispiel: Wenn wir uns die Biographien von vielen erfolgreichen Pop- und Rockstars anschauen, dann kommen wir ziemlich bald darauf, dass die was gemeinsam haben: Ja, das sind lauter Menschen, die großes musikalisches Talent haben, klar. Aber da ist noch was: Die allermeisten hatten in ihrer Kindheit ein ganz schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater. Bruce Springsteen ist da ein Paradebeispiel, Phil Collins wäre ein anderes. Wenn wir also fragen: Was ist denn deren Personal Project? Dann gibt es natürlich das öffentliche Personal Project „Musik machen”, weil das lauter musikalisch talentierte Menschen sind. Aber auf der Hinterbühne, im dunklen und düsteren Bereich, da spielt sich das viel wichtigere Projekt ab, nämlich das Projekt hinter dem Projekt. Und das heißt „Meinem Vater zeigen, dass ich doch kein Versager bin” oder so ähnlich. Ich weiß nicht mehr, wer es war, der gesagt hat, dass er bei einem Konzert vor tausenden Menschen in Wirklichkeit immer nur für eine einzige Person spielt, nämlich seinen Vater. Und das selbst dann noch, wenn dieser schon lange tot ist. 2. Möglichkeit: Wir reden nicht über siePersonal Projects werden dann dunkel und düster, wenn wir sie nie ans Tageslicht bringen, weil wir anderen Menschen einfach nicht davon erzählen. Das kann sein weil: sie uns unangenehm sind wir Scham oder Schuld für sie empfinden sie uns verletzlich machen wir uns keine Blöße geben wollen, weil wir keine Schwäche zeigen wollen wir andere Menschen nicht beunruhigen wollen sie unserem Image widersprechen oder sogar schaden könnten wir keine Aufmerksamkeit auf das Projekt lenken möchten, weil wir mit dem Projekt allein bleiben wollen. Ein Beispiel für so ein Projekt wäre z.B. eine Krankheit, die wir für uns behalten - aus welchem Grund auch immer. Ein sehr herausforderndes dunkles Personal Project. Oder ein anderes Beispiel: Affären. Fremdgehen. Ausgesprochen aufwendige Personal Projects, die viel Energie kosten und einen wahnsinnigen organisatorischen und logistischen Aufwand bedeuten können. Da ist auch meistens das Ziel, dass dieses Projekt so lange wie möglich, idealerweise für immer, im Dunkeln bleibt. Oder die allermeisten Fälle von Sucht sind auch solche Projekte. Eine Sucht ist ein extrem forderndes Personal Project, aber auch hier ist zumeist das Ziel, die Sucht so lange wie möglich unter Verschluss zu halten - auch wenn den Menschen im Umfeld vielleicht längst klar ist, was los ist. 3. Möglichkeit, die ein Projekt zu einem dunklen und düsteren macht: Wir dürfen nicht über das Projekt redenUnd zwar deswegen, weil diese Projekte entweder moralisch verwerflich sind oder gesellschaftlich sanktioniert, z.B. durch gesetzliche Verbote. Wer einen Bankraub oder ein Attentat plant, der hat automatisch ein dunkles und düsteres Projekt. Weil es zum Projekterfolg dazu gehört, dass es dunkel und düster bleibt.  Dieses Phänomen ist auch die Grundzutat für so manchen Film oder so manche Krimiserie über geniale Mörder, die das perfekte Verbrechen begangen haben. Ist der Mörder dann auch noch ein bisschen ein Narzisst, dann ist er in einem Dilemma: Den perfekten Mord zu begehen, das ist ein unglaublich komplexes und aufwendiges Personal Project.  Der Mörder ist auf dieses Personal Project vielleicht sogar sehr stolz - nur darf er niemandem davon erzählen! Also wird der Mörder ein bisschen dreist, ein bisschen unvorsichtig, weil er zwar nicht entdeckt werden will, sich aber dennoch nach Anerkennung sehnt. Und genau diese Zwickmühle ist die Grundlage von ganz, ganz vielen Columbo-Folgen. Ich möchte in dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] also über Projekte  reden, die im Dunkeln sind, die nicht klar erkennbar sind, die nicht gerne besprochen werden. Diese Staffel ist eine Annäherung an ein schwieriges Thema. Aber ich finde diesen Versuch wichtig, weil gerade diese dunklen und düsteren Projekte einen enorm hohen Stellenwert in unserem Leben haben - ob wir das wollen oder nicht, und ob uns das bewusst ist oder nicht. Ludwig Wittgenstein hat gesagt: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” Ich finde, im Fall unserer dunklen und düsteren Projekte gilt genau das Gegenteil: Je mehr Licht wir in dieses Dunkel bringen können, desto besser.  Ich will  in dieser Staffel den dunklen und düsteren Projekten in unserem Leben eine Stimme verleihen. Und wenn du mich bei diesem Experiment begleiten möchtest, dann heiße ich dich ganz herzlich willkommen in dieser neunten Staffeln von [Projekt: Leben].
S09E02: Die Inneren Dämonen kennenlernen (#88)
Mar 20 2020
S09E02: Die Inneren Dämonen kennenlernen (#88)
Worum geht’s in dieser Folge?In dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja über eine  besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich über unsere dunklen und düsteren Projekte. Und in dieser zweiten Episode der neunten Staffel geht es um unsere Inneren Dämonen. Ja, unsere Inneren Dämonen… Was meine ich damit eigentlich? Ich glaube, dass jeder von euch, der mir da gerade zuhört, bestimmt ein Gefühl dafür hat, was ich damit meinen könnte. Und gleichzeitig ist es gar nicht so einfach, die Inneren Dämonen klar zu definieren und in generelle Worte zu fassen. Ich würde daher mal so sagen: Die Inneren Dämonen sind in unseren Personal Projects dann am Werk, wenn wir Dinge tun oder sagen, wo wir uns eigentlich denken: "Nein, so will ich nicht sein. Das will ich eigentlich gar nicht tun, so will ich eigentlich gar nicht reden." Und dennoch tun wir es, immer und immer wieder, weil wir nicht aus unserer Haut raus können und weil uns unsere Inneren Dämonen unser Leben lang begleiten. Deswegen halte ich es für ein ganz wichtiges Personal Project - ein Self Project, wenn man es genau nimmt -, dass wir unsere Inneren Dämonen so gut wie möglich kennenlernen. Wir sollten wissen wollen, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben in den Momenten, wo wir nicht gerade stolz auf uns sind. Was sind denn die Situationen, wo wir immer in die Falle tappen? Was sind denn die Auslöser, die Trigger, die unsere schlechtere Hälfte zum Vorschein bringen? Interessanterweise gibt es viele Geschichten und Romane, wo es immer wieder um die Auseinandersetzung mit den Inneren Dämonen geht. Ein berühmtes Beispiel wäre „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson, wo ja der an sich sehr ehrenwerte Dr. Jekyll ein Opfer seines Inneren Dämonen, nämlich Mr. Hyde, wird. Ein anderes Beispiel wäre die Geschichte vom Phantom der Oper. Die Geschichte finde ich überhaupt ganz besonders spannend in Hinblick auf Personal Projects mit Inneren Dämonen. Vielleicht hast du ja auch das Musical oder eine Verfilmung dazu gesehen - oder gar das Buch gelesen - wenn nicht, hier kurz, worum es geht: Da ist dieses Mädchen Christine, eine Sängerin in der Oper. Sie ist die Hauptperson. Und dann ist da dieses Phantom der Oper, eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Katakomben der Oper haust. Während Christine also auf der Bühne des Opernhauses auftritt, geistert das Phantom quasi auf der Hinterbühne herum.  Das Interessante bei der Geschichte ist die Beziehung zwischen Christine und dem Phantom. Im Musical ist das sowas wie eine dysfunktionale Liebesbeziehung, aber man kann das auch ganz anders interpretieren: Das Opernhaus, das steht für unser Leben. Christine ist das Symbol für unsere öffentliche Persönlichkeit, für das Bild von uns, das nach außen wirkt und täglich auf der Bühne steht. Und das Phantom steht für Christines dunkle Persönlichkeitsanteile, für das Düstere in ihrem Leben. Christine und das Phantom sind also im Grunde ein und derselbe Mensch, die gehören zusammen.  Christine sagt ja auch, dass das Phantom ihr Lehrer sei, der sie zu einer so guten Sängerin gemacht hat. Auch das ist symbolisch zu verstehen: Unsere Inneren Dämonen sind es sehr häufig, die uns zu Höchstleistungen antreiben und die auch dafür sorgen, dass wir in Beruf und Karriere Erfolg haben. Unser Antrieb kommt ganz, ganz häufig aus eher dunklen Quellen, aus Kränkungen, aus Verletzungen, aus einem Gefühl des mangelnden Selbstwertes und so weiter.  Und dann kommt noch was dazu: Das Phantom trägt eine Maske. Eigentlich ist das Gesicht des Phantoms entstellt, es ist hässlich, aber durch die Maske sieht Christine das nicht. So geht es uns auch oft: Wir erkennen unsere Inneren Dämonen oft gar nicht, wenn wir nicht hinter die Maske sehen und deren hässliches Gesicht erkennen. Unsere Inneren Dämonen verstecken sich häufig hinter vermeintlich ehrenwerten Projekten. Das Problem dabei ist halt nur, dass der Antrieb hinter diesen Projekten eben dunkel und düster bleibt, egal, welche Maske wir ihnen aufsetzen. Die Geschichte endet im Grunde damit, dass das Phantom das Opernhaus in Brand setzt und zerstört. Wiederum symbolisch interpretiert: Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir unsere Inneren Dämonen nicht im Zaum halten können, dann können sie unser Leben zerstören. Und dass das keine Übertreibung ist, kann jeder nachvollziehen, der Bekanntschaft gemacht hat mit Inneren Dämonen wie Sucht, Depression oder übersteigertem Ehrgeiz. Ich glaube, ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass die Auseinandersetzung mit unseren Inneren Dämonen eines der herausforderndsten Selbstprojekte unseres ganzen Lebens ist. Denn eines kannst du mir glauben: Jeder von uns hat seine oder ihre Inneren Dämonen - und wenn du glaubst, du hast keine, dann hast du einfach noch nicht gut genug in den Katakomben deines Lebens nachgesehen. Nur weil du deine Inneren Dämonen nicht kennst, heißt das nicht, dass du keine hast. Wie sollen wir jetzt mit unseren Inneren Dämonen umgehen? Wie können wir ihnen überhaupt einmal auf die Spur kommen? Ich kann euch sagen, wie ich es gemacht habe. Ich kenne einiger meiner Inneren Dämonen, und ich muss sagen, schön sind sie nicht. Aber ich kenne sie, und damit kann ich auch Schritt für Schritt lernen, besser mit ihnen umzugehen. Für mich hat sehr gut funktioniert, meinen Inneren Dämonen ein menschliches Gesicht zu geben. Sie tatsächlich zu Personen zu machen - genauso, wie es ja auch in den Geschichten von Mr. Hyde und dem Phantom der Oper geschehen ist. Den Inneren Dämonen ein Aussehen zu geben, vielleicht einen Namen, einen Charakter… und versuchen, sie immer besser kennenzulernen, wann immer du ihnen begegnest. Mit der Zeit kommst du vielleicht so wie ich drauf, dass ein so ein Dämon verlässlich immer dann daher kommt, wenn du nicht ausgeschlafen bist. Ein hässlicher, sehr grober Zeitgenosse, der aber relativ gut berechenbar ist, wenn du ihn nur gut genug beobachtet hast.  In diesem dunklen und düsteren Personal Project „Deine Inneren Dämonen kennenlernen” geht es also darum zu versuchen, die Hinterbühne deines Lebens auszuleuchten und mal genauer hinzusehen, was da so kreucht und fleucht. Kann gut sein, dass das nicht alles angenehm ist, was du da zu sehen bekommst. Dann geht es darum, dich mit deinen Inneren Dämonen irgendwie zu arrangieren - quasi, mit ihnen zu tanzen. Zu versuchen, mit ihnen weitestgehend auszukommen, denn los werden tut man sie nur ganz, ganz schwer. Ziel dieses Personal Projects wäre zu versuchen, deine Inneren Dämonen so gut zu kennen und sie zumindest so weit im Zaum zu halten, dass sie dir das Opernhaus deines Lebens nicht in Brand setzen - wenn nötig mit Coaches, Beratern oder Therapeuten, die dich in einem solchen herausfordernden Projekt begleiten und unterstützen können.  Also: Nimm deinen Mut zusammen, gib deinen Inneren Dämonen ein Gesicht, schau ihnen in die Augen und reiß ihnen die Maske runter - auch wenn’s weh tut. Für dieses überaus schwierige, dunkle und düstere Personal Project wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg!
S09E03: Selbstsabotage-Projekte (#89)
Mar 27 2020
S09E03: Selbstsabotage-Projekte (#89)
Worum geht’s in dieser Folge?Wir sind ja in der Staffel über unsere „dunklen und düsteren Projekte”, und heute möchte ich über unsere Selbstsabotage-Projekte sprechen. Ja, ich behaupte, wir alle haben Personal Projects, deren Sinn und Zweck es einzig und allein ist, uns selbst zu sabotieren. Wenn das mal keine dunklen und düsteren Projekte sind...Diese Selbstsabotage-Projekte sind oft auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen, weil sie oft im Gewand eines recht vernünftig scheinenden Projektes daherkommen. Es ist also gar nicht so leicht ein Selbstsabotage-Projekt zu beenden, weil man zuerst überhaupt mal dahinter kommen muss, dass ein Personal Project in Wirklichkeit ein Selbstsabotage-Projekt ist.  Diese Selbstsabotage-Projekte kommen in vielfältigen Masken und Verkleidungen daher. Ich möchte in dieser Folge mal drei dieser möglichen Verkleidungen vorstellen, damit ihr so ein bisschen ein Gespür dafür bekommt, welche Formen diese Selbstsabotage-Projekte annehmen können. 1. Kurzfristige SchmerzvermeidungsprojekteWer kennt diese Projekte nicht? Um kurzfristig Schmerzen oder unangenehme Gefühle zu vermeiden, fügen wir uns langfristigen Schaden zu.  Klassisches Beispiel: Wir gehen nicht zum Zahnarzt, weil wir Angst haben, dass er uns weh tut. Wir glauben… Ja, was glauben wir eigentlich? Wahrscheinlich so etwas wie, dass ein Wunder passiert und ausgerechnet bei uns die Zahnschmerzen irgendwie von selbst besser werden. Oder nehmen wir den unangenehmen Anruf bei einem Kunden oder einer Verwandten her. Wir verschieben diesen Anruf lieber auf morgen, weil… Ja, warum eigentlich? Weil wir glauben, dass morgen auf einmal die Situation weniger unangenehm ist? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass je länger wir den Anruf verschieben, die Situation immer unangenehmer wird? Handeln wir also in Wirklichkeit nicht völlig gegen unsere Interessen, wenn wir kurzfristigen Schmerz vermeiden, aber dafür in Kauf nehmen, dass wir langfristig viel länger darunter leiden? Die Selbstsabotage dabei ist nämlich genau, das wir bei diesen Projekten im Grunde völlig gegen unsere eigentlichen Interessen handeln. Es ist nicht in unserem Interesse, dass wir am nächsten Tag nicht ausgeschlafen sind - und dennoch binge-watchen wir bis nach Mitternacht.  Garrett Gunderson hat das mal so beschrieben: Es gibt „hard-easy-Projekte” und „easy-hard-Projekte”. Easy-hard-Projekte, das ist eben z.B., wenn wir ein unangenehmes Gespräch auf später verschieben. Das ist kurzfristig easy, aber langfristig machen wir und das Leben damit nur hard und harder.  Hard-easy-Projekte wären hingegen genau das Gegenteil und das, was eigentlich in unserem Interesse läge: Kurzfristig mag es zwar hard sein, aber langfristig machen wir uns unser Leben damit easy. Und genau diese hard-easy-Projekte sollten wir bewusst wählen, weil easy-hard immer Selbstsabotage ist.   2. Oberlimit-Projekte Die Idee der Oberlimit-Probleme bzw. upper limit challenges, wie es im Original heißt, kommt von Gay Hendricks und seinem Buch „Lebe dein Leben, bevor es andere für dich tun”. Er beschreibt darin folgendes Phänomen, das er in seinem Leben immer und immer wieder beobachtet hat: In seinem Leben gab es Phasen, in denen es ihm wirklich gut gegangen ist, in denen er sich wirklich wohl gefühlt hat … bis er etwas getan hat, wodurch er alles vermasselt hat. Alles war gut, bis er begonnen hat, es selbst zu zerstören. Ein Beispiel: Stell dir vor, du sitzt im Frühling im Park, dir scheint die Sonne ins Gesicht, die Vögel zwitschern, alles ist ruhig und friedlich und du fühlst dich rundum wohl. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts… fängt in dir eine Stimme an zu reden. Und diese Stimme sagt so etwas wie: „Ja, du fühlst dich gerade ziemlich wohl, was? Aber denk doch mal an morgen. Da musst du wieder in die Arbeit gehen, da ist dann wieder der Kollege, der dich so nervt. Und am Abend dann der Besuch von deiner Tante, das wird auch nicht gerade leiwand.” Und so weiter, und so fort. In Sekundenschnelle hast du das gute Gefühl durch deine Innere Stimme vollkommen zerstört - völlig ohne Not, völlig ohne Grund. Gay Hendricks sagt, es scheint so zu sein, dass wir für unser Wohlbefinden nur eine gewisse Toleranzgrenze haben. Sobald das Maß voll ist, also das obere Limit erreicht ist, fabrizieren wir Gedanken, durch die wir uns schlecht fühlen und die das Wohlbefinden wieder nach unten regeln. Ein klarer Fall von Selbstsabotage, weil wer außer uns selbst sabotiert in diesem Moment unser Wohlbefinden? Oberlimit-Probleme stecken manchmal auch hinter Verletzungen und Krankheit: Wenn die Dinge gut für uns laufen, werden wir krank, oder wir ziehen uns eine Verletzung zu. Auch das kann Selbstsabotage sein, damit es uns nicht zu gut geht. Wie gesagt: KANN sein, natürlich haben Krankheiten und Verletzungen auch noch andere Ursachen. Spannende Sache, diese Oberlimit-Projekte. Wenn man erst mal die Augen für sie geöffnet hat, wirst du sie wahrscheinlich an allen dunklen und düsteren Ecken deines Lebens finden.  3. Massive Selbstsabotage-ProjekteEs gibt manche Personal Projects, mit denen sabotieren wir uns so massiv selbst, dass man sich eigentlich nur über sich selbst wundern kann. Wir tun uns Dinge an, von denen wir bei klarem Verstand sagen müssten: Nein, niemals! Und doch stürzen wir uns kopfüber in diese Projekte. Wir werden zu unseren eigenen größten Feinden. Ein Beispiel von unzähligen wäre Bill Clinton. Der wird US-Präsident, ist am Ziel seiner Träume angekommen, nach langjähriger harter Arbeit, nach vielen Entbehrungen und nach unzähligen Stunden, die er für dieses Personal Project investiert hat. Und was macht er? Er beginnt eine Affäre mit einer Praktikantin. Wenn das kein massives Selbstsabotage-Projekt ist. Hat er wirklich gedacht, das bleibt geheim? War er wirklich so naiv zu denken, er kommt damit durch? Ich glaube nicht. Ich glaube, aus irgendeinem Grund war es ihm ein Bedürfnis, seinen Erfolg und damit sich selbst zu sabotieren - auch wenn das von außen sehr schwer zu verstehen ist. Oder denk an die vielen, vielen, vielen Popstars, Filmstars und Sportstars, die mit ihrem Erfolg nicht zurecht kommen.  Zu Zeiten ihres größten Erfolges starten sie oft massive Selbstsabotage-Projekte, die im schlimmsten Fall sogar in der Selbstzerstörung enden. Diese dunklen und düsteren Projekte sind von außen nur schwer zu begreifen, und doch machen sie für denjenigen oder diejenige irgendwie Sinn - so verrückt das auch klingen mag. Aber das liegt eben in der Natur der dunklen und düsteren Projekte, und ganz speziell der Selbstsabotage-Projekte: Rein aus der Perspektive der Vernunft sind sie nicht zu verstehen. Und doch gibt es sie, und es gibt sie in großer, großer Zahl. Umso wichtiger finde ich, dass wir unsere Selbstsabotage-Projekte erkennen, sie aus den dunklen Ecken ans Licht zerren und erkennen, wenn wir mit unseren eigenen Personal Projects Schaden in unserem Leben anrichten.
S09E04: Projekte, die wir hassen (#90)
Apr 3 2020
S09E04: Projekte, die wir hassen (#90)
Worum geht’s in dieser Folge?In dieser Folge geht es um Personal Projects, die wir hassen. Also Projekte, die uns zum Hals raus hängen, bei denen uns die Grausbirn aufsteigt, wie wir Österreicher sagen, wo sich dieses Gefühl der Übelkeit im Bauch breitmacht, wenn wir auch nur an sie denken.Ich denke, jeder von uns hat solche Projekte, wahrscheinlich zu unterschiedlichen Zeiten im Leben unterschiedlich viele. Und was das genau für Projekte sind, das ist natürlich auch bei jedem Menschen ganz anders. Und trotzdem gibt es Muster für solche Projekte. Der Hass hat sozusagen ein paar Voraussetzungen, die universell sind, die sich durch alle Hassprojekte durchziehen, egal wie unterschiedlich sie auch aussehen mögen. Und diese Voraussetzungen, die dafür sorgen, dass wir manche unserer Personal Projects zu hassen beginnen, will ich euch jetzt vorstellen. Vorab vielleicht: Was ich heute sage, basiert wie so Vieles in diesem Podcast auf den Forschungen von Dr. Brian Little.  Was ich heute sage, ist also auch wissenschaftlich belegt und gut erforscht. Brian Little hat herausgefunden, dass es drei Kriterien dafür gibt, die dafür sorgen, dass wir mit einem Personal Project mehr oder weniger glücklich oder unglücklich werden. Und diese drei Kriterien möchte ich mir eines nach dem anderen genauer ansehen.1. InitiationInitiation, da geht es um die Frage: Von wem geht das Personal Project aus? War es deine eigene Idee, oder hat es dir jemand auf’s Auge gedrückt? Die Sache ist ziemlich klar, wie ihr euch denken könnt: Projekte, die wir hassen, kommen in der Regel nicht von uns selbst. Wir hassen meistens jene Projekte, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben, die wir nicht selbst gewählt haben und wo uns niemand gefragt hat, ob wir die überhaupt wollen. Prüf das mal für dich, ob das auch bei dir zutrifft: Denk an ein Projekt, das du hasst. War es deine Idee, oder kam das Projekt von jemand anderem? 2. ManageabilityManageability meint die Frage, wie wir unsere Fähigkeit einschätzen, ein Personal Project zu bewältigen. Anders formuliert: Wie hoch schätzen wir die Erfolgs-Chancen für ein Personal Project ein? Halten wir es für wahrscheinlich, dass wir mit einem Projekt tatsächlich das erreichen, was wir uns vorgenommen haben? Oder schätzen wir dafür die Chancen eher finster ein? Auch bei diesem Kriterium ist der Zusammenhang ziemlich klar: Wir hassen Projekte, bei denen wir die manageability als gering einschätzen. Mit anderen Worten: Wir hassen Projekte tendenziell dann, die uns diese Projekte überfordern. Wenn sie über unsere Kenntnisse, über unsere Fähigkeiten oder auch über unsere geistigen und körperlichen Leistungsgrenzen hinaus gehen. Und besonders dann, wenn diese Überforderung nicht nur ein kurzfristiges Phänomen ist, sondern sich über einen langen Zeitraum hinzieht - und ganz besonders schlimm ist es dann, wenn wir auch keinen Silberstreif am Horizont erkennen, wenn wir nicht das Gefühl haben, dass wir in absehbarer Zeit dieses Projekt besser handeln können werden. Damit wäre also der zweite Puzzlestein zum Bild hinzugefügt: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen und wenn sie uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern. 3. ControlBeim Faktor Control geht es um die Frage: Wie sehr liegt der Erfolg dieses Projektes überhaupt in unserem Einflussbereich? Können wir eigentlich selber etwas tun, oder sind wir in Wirklichkeit von anderen abhängig? Mit anderen Worten: Gibt es Menschen oder Gruppen oder Institutionen, die deine ganze Arbeit in dem Projekt mit einem Schlag zunichte machen können oder die Entscheidungen treffen können, die von einem Tag auf den anderen die Welt für dich komplett auf den Kopf stellen? Bist du in diesem Projekt also der Macht - oder im schlimmsten Fall der Willkür - bestimmter Menschen oder Gruppen oder staatlicher Institutionen oder Regierungen oder was auch immer ausgeliefert, oder nicht? Auch hier ist der Zusammenhang, denke ich, ziemlich leicht zu durchschauen: Wenn wir das Gefühl haben, bei einem Personal Project nicht „in control” zu sein, das heißt, dass andere Menschen in diese Projekte hineinpfuschen können und wir dem weitgehend ausgeliefert sind… dann werden wir an diesen Projekten keine Freude haben. Und je stärker der Grad ist, in dem wir Nicht-Kontrolle empfinden, desto mehr werden wir dieses Projekt hassen. Und wenn wir jetzt den dritten Puzzlestein zum Bild hinzufügen, dann sehen wir Folgendes: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen, wenn sie uns uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern - und wenn von außen jemand kommen kann und die Spielregeln in diesem Projekt von einen  Tag auf den anderen völlig auf den Kopf stellen kann. Ein aktuelles BeispielZum Abschluss vielleicht noch ein Beispiel dazu, weil’s gerade gut passt: Stell dir folgendes Projekt vor: Du wirst von jemandem, sagen wir einer Regierung, von einem Tag auf den anderen verdonnert, zu Hause in deinen eigenen vier Wänden zu bleiben. Also initiation nicht von dir selbst.  Zu Hause musst du dann gleichzeitig Home Office machen und dich um die Betreuung deiner beiden Kinder kümmern, weil die Kindergärten ja geschlossen sind und die Großeltern nicht aushelfen dürfen. Die manageabilty eines solchen Projekts ist meistens schon kurzfristig, mit Sicherheit aber langfristig sehr, sehr, sagen wir, schwierig.  Und dann stell dir noch vor, dass egal was du tust, egal wie sehr du dich auf den Kopf stellst, du keinerlei Einfluss darauf hast, wann dieses Projekt wieder zu Ende ist. Deine control ist also de facto nicht vorhanden. Es wäre also kein Wunder, wenn du über die aktuelle Situation sehr unglücklich wärst, um nicht zu sagen, du hasst sie. Wissenschaftlich ließe sich das hervorragend belegen. Bleib gesund!
S09E05: Selbst-initiierte Trennungsprojekte (#91)
Apr 17 2020
S09E05: Selbst-initiierte Trennungsprojekte (#91)
Worum geht’s in dieser Folge? Es geht um Trennungsprojekte, also um Personal Projects, wo wir uns von etwas trennen. Das kann ein Job sein, ganz allgemein ein Personal Project, aber auch ein Lebenspartner, ein Freund oder sonst irgendetwas oder irgendjemand in unserem Leben.Und da diese Trennungsprojekte sehr oft für uns emotional sehr belastend sind, weil wir uns mit Trennungen in der Regel sehr schwer tun, zähle ich diese Trennungsprojekte zu unseren dunklen und düsteren Projekten, um die es ja ni dieser Staffel von [Projekt: Leben] geht.Wenn wir von Trennungsprojekten reden, dann ist es ganz am Anfang wichtig zu unterscheiden, von wem die Trennung denn eigentlich ausgeht. Zum einen sind da Trennungen, wie WIR SELBST vollziehen, die wir selbst einleiten - oder, wissenschaftlicher ausgedrückt: Trennungen, die selbst-initiiert sind. Um diese Projekte geht es in dieser Folge des Podcasts. Dann sind da aber natürlich auch noch Trennungen, die nicht von uns selbst ausgehen, die wir uns nicht ausgesucht haben, mit denen wir mitunter überhaupt nicht gerechnet haben und die von anderen Menschen eingeleitet wurden. Das heißt, das sind fremd-initiierte Trennungsprojekte, und um diese wird es in der nächsten Podcast-Folge gehen. Okay, jetzt soll es aber mal um die selbst-initiierten Trennungsprojekte gehen, also um jene Projekte, wo wir selbst beschließen, dass wir uns von etwas oder jemand trennen wollen. Die Kardinalfrage bei dieser ganzen Sache lautet ja: Wie soll ich wissen, ob es eine gute Idee ist, so ein Trennungsprojekt zu starten? Oder soll ich nicht doch lieber bei dem bleiben, was ich habe - zwar nicht ideal, aber wer weiß, was nachkommt? Und selbst wenn ich einigermaßen sicher glaube, dass es eine gute Idee ist, bleibt immer noch die Frage: Ist es JETZT eine gute Idee, oder soll ich lieber nicht doch noch ein bisschen zuwarten?  Um genau dieses Dilemma zu lösen oder zumindest ein bisschen eine Entscheidungshilfe zu bieten, gibt es die bekannte Formel: Love it change it or leave it Ich möchte mir in dieser Folge diese Formel etwas genauer ansehen und ein paar aus meiner Sicht sehr wichtige Hinweise für den Umgang mit dieser Formel geben. Ich halte dieses „Love it, change it, or leave it” grundsätzlich für sehr brauchbar, um zu einer Entscheidung zu kommen - aber nur, wenn man ein paar wichtige Dinge dazu sagt.  Love itUnd das fängt schon mit dem ersten Punkt an: Love it. Ich glaube, dass mit diesem Punkt einige Missverständnisse mitschwingen, die es wert sind, genauer hinzusehen.  Zum ersten ist da mal die Frage: Was ist mit „love it” überhaupt gemeint? Ich glaube, wir Deutschsprachige müssen da ein bisschen aufpassen: Wenn ein Englischsprachiger sagt „I love this!”, oder „I’m lovin' it”, dann ist das nicht die Liebe, wie wir es in Deutsch meinen. „Love it” bedeutet also nicht, dass du ein Projekt oder eine Beziehung zu jedem Zeitpunkt wirklich lieben musst. „Love it” glaube ich lässt sich gut übersetzen mit „gefällt mir”. Ein Projekt, das wir „lieben”, ist also aus meiner Sicht eines, das uns alles in allem, die meiste Zeit über gefällt. Das bedeutet nicht, dass dieses Projekt immer perfekt sein muss, und das bedeutet auch nicht, dass wir in Momenten, wo ein Projekt mal nicht ideal läuft, gleich die Flinte ins Korn werfen sollen. Von Joan Armatrading gibt es ein Lied das heißt „More than one kind of love”. Und ich glaube, das ist auch ein gutes Motto, wenn wir uns überlegen, ob dieses „love it” auf etwas zutrifft, von dem wir uns potenziell trennen wollen. „More than one kind of love” kann auch bedeuten, dass etwas zwar nicht perfekt ist, aber immerhin gut genug. Ich glaube, wir neigen häufig dazu, unzufrieden zu werden, wenn ein Projekt oder eine Beziehung „nur” gut genug und nicht (oder nicht mehr) perfekt ist. „More than one kind of love” kann aber auch bedeuten, dass etwas zwar im Moment alles andere als super ist, aber wir das Potenzial sehen, dass sich in Zukunft etwas verbessert, wenn wir jetzt dran bleiben. Oder es kann auch bedeuten, dass wir ein Projekt wirklich nicht lieben, aber wir trotzdem Sinn in diesem Projekt sehen, dass wir uns dadurch nützlich und gebraucht fühlen und dass wir deswegen dran bleiben möchten.  Also, mein Tipp: Bevor du die Frage für dich beantwortest, ob du ein Projekt „liebst” oder nicht, denk daran, dass es viele Arten von Liebe für ein Projekt oder eine Beziehung oder einen Menschen geben kann und dass etwas nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein.  Change itAuch da finde ich es wert, einen Moment innezuhalten und diesen Punkt genauer anzusehen. Wenn wir drauf gekommen sind, dass „love it” aus welchem Grund auch immer nicht funktioniert, dann stellt sich also die Frage: Kann ich irgendetwas verändern, damit irgendeine Art von Liebe wieder zurückkehrt? Und da sagt meine Erfahrung - die eigene Erfahrung und die Erfahrung mit Trennunsprojekten anderer Menschen - dass wir da mitunter ziemlich schnell drübergehen. Wenn du also so ein Trennunsprojekt startest und zu dem Punkt „change it” kommst, dann frag dich: Habe ich wirklich versucht, was zu verändern? Nämlich WIRKLICH? Also hast du die unangenehmen Gespräche geführt, die notwendig gewesen wären, um wirklich was zu verändern? Hast du die schwierigen Entscheidungen wirklich getroffen? Hast du darüber gesprochen, was dir wichtig wäre, was dich stört, was dich unglücklich macht? Hast du dem Projekt wirklich eine ehrliche Chance gegeben, sich zu verbessern? Ich glaube, wir machen uns die Sache manchmal ein bisschen zu leicht wenn wir sagen: „Ach was, da kann man eh nichts mehr machen. Ich habe eh schon alles versucht.” Wenn du ehrlich für dich sagen kannst, dass du wirklich alles versucht hast, was dir einfällt, um die Situation zu verbessern, dann: Respekt. Aber wenn du auch nur den Funken eines Zweifels daran hast, dann lohnt es wahrscheinlich, diesen einen Versuch noch zu starten - nicht halbherzig, sondern aus vollem Herzen, um dir und dem Projekt gegenüber ehrlich zu sein und zu bleiben.  Leave it Wenn in dem Projekt wirklich Hopfen und Malz verloren ist, dann wird es Zeit, sich davon zu trennen. Projekte wieder loslassen zu können ist mindestens genauso wichtig, wie Projekte zu starten. Überhaupt finde ich, dass die Art und Weise, wie jemand Projekte oder Beziehungen beendet, viel über diesen Menschen aussagt. Projekte mit Takt und Gefühl und einer gewissen Seriosität zu beenden, ist eine Kunst für sich. Zu einem gelungenen „leave it” möchte ich ein paar Hinweise gehen, die vielleicht beim Gelingen helfen können: Ganz am Anfang steht, dass du dir selbst die Erlaubnis geben solltest, ein Trennungsprojekt auch durchzuziehen, wenn es anstrengend und mühsam und vielleicht auch schmerzhaft ist, wenn es aber für dich die richtige Entscheidung ist. Das Leben ist kein Ponyhof, und das gilt ganz besonders auch für Trennungsprojekte, die ganz besonders unangenehm sein können. Aber aus Angst davor in Projekten zu bleiben, die dir nicht gut tun, ist auch keine Lösung. Dokumentieren. Mir hilft es immer sehr gut, wenn ich mir die Gründe aufschreibe, die dazu geführt haben, dass ich mich von etwas trennen will. Ich schreibe mir genau auf, warum ich diese Entscheidung getroffen habe. Das ist nämlich in den Momenten sinnvoll, wenn ich ins Zweifeln komme, ob die Trennung wirklich so eine gute Idee war - und diese Momente ...
S09E06: Fremd-initiierte Trennungsprojekte (#92)
Apr 24 2020
S09E06: Fremd-initiierte Trennungsprojekte (#92)
Worum geht's?Diesmal geht es um die vielleicht härtesten Personal Projects in unserem Leben, jedenfalls zählen sie definitiv zu den dunkelsten und düstersten Projekten: Ich spreche von fremd-initiierten Trennungsprojekten, also Projekte, in denen wir mit Trennung, Verlust und Loslassen kämpfen, die wir und NICHT selbst ausgesucht haben. Um Trennungsprojekte, die wir selbst ins Leben rufen, ist es in der letzten Folge gegangen, wenn du die noch nicht gehört haben solltest. In fremd-initiierten Trennungsprojekten trennen uns also von etwas, von dem wir uns eigentlich gar nicht trennen wollen. Wir wollen nicht oder noch nicht los lassen. Oder wir sind überhaupt vollkommen überrascht, dass ein wichtiger Teil unsere Lebens plötzlich nicht mehr da sein soll. BeispieleKrankheiten - Krankheiten sind unter anderem deswegen (auch) Trennungsprojekte, weil wir uns trennen von unserer Gesundheit, unserem gewohnten Leben, unserer Unabhängigkeit und unserer Lebendigkeit. Jobverlust  - Wenn wir einen Job verlieren, wenn wir gekündigt oder entlassen werden, trennen wir uns nicht nur von einer Einkommensquelle. Das allein ist oft schon schmerzlich, aber meistens noch viel schwerer wiegt der Verlust von etwas, das uns Status und Sinn und eine Aufgabe im Leben gegeben hat. Unsere Berufe, unsere Arbeitsplätze sind viel mehr als nur Tätigkeiten, die unser Leben finanzieren, und sie sind uns alles andere als egal. Zu dem Thema habe ich in Staffel 3, Folge 2 eine ganze Folge aufgenommen unter dem Titel „Warum ist uns der Job nicht viel mehr egal?" Der Tod von geliebten Menschen - Das ultimative Trennungsprojekt, weil es definitiv und endgültig und ohne Widerruf ist. Wir müssen uns ein für alle Mal von einem wichtigen Menschen trennen, die oder der eine tragende Rolle in unserem Leben gespielt hat. Häufig ein ganz, ganz düsteres Projekt. Enttäuschung - Jede Enttäuschung, die großen, aber auch die kleinen, sind im Grunde jede für sich ein Trennungsprojekt. Wir trennen uns nämlich gezwungenermaßen von unseren Personal Constructs, also von unseren tiefsten Überzeugungen, von denen wir fest glaubten, sie wären wahr und unumstößlich. Nun kommen wir drauf, dass wir uns grundlegend geirrt haben, und damit ist mit einem Mal unsere ganze Weltsicht in Frage gestellt. Was stimmt jetzt überhaupt noch? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen? Je größer die Enttäuschung, desto dunkler das Trennungsprojekt. Verlassen werden - Wenn man von einem Lebenspartner, einer Lebenspartnerin verlassen wird, wenn eine Ehe ungewollt geschieden wird, dann ist das oft wie ein kleiner Tod - häufig auch noch verbunden mit Enttäuschungen. Da kommt dann Einiges zusammen, und für ganz viele Menschen sind diese Projekte sehr schwer zu handeln - über Jahre.  Warum wir uns so schwer tunAus dem Blickwinkel der Personal Projects Theorie könnte man außerdem sagen, und da greife ich jetzt auf die vorletzte Podcast-Folge zurück: Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind ganz typische Projekte, die wir hassen. Warum ist das so? initiation: Wie der Name schon sagt, gehen fremd-initiierte Projekte von anderen Menschen aus - oder auch vom Schicksal, von höherer Gewalt, jedenfalls nicht von uns selbst. Das macht sie schon mal schwer erträglich. manageability: Bei der manageability geht es ja um die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass du dieses Projekt zum Erfolg bringst? Und da stellt sich schon mal die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang, im Fall einer Krankheit oder einer Enttäuschung oder im Fall des Verlusts eines geliebten Menschen überhaupt ein „Erfolg"? Was ein „Erfolg” in diesem Zusammenhang ist, muss ja erst völlig neu definiert werden. Das heißt, das Selbstmanagement in uns muss sich völlig neu ausrichten, sich erst mal wieder richtig finden. Aber, und das ist schon auch gut zu wissen: Wenn wir uns wieder ein bisschen gefasst haben und wenn wir dann im Laufe der Zeit uns sogar wieder Ziele für unser Trennungsprojekt setzen können, dann wird manageability wieder möglich. Deswegen kommen meist, nach einer sehr schwierigen Phase am Anfang, dann auch viele Menschen z.B. mit schweren Krankheiten irgendwie zurecht und „machen das Beste draus”. control: Control meint die Frage, wie viel Einfluss man auf die ganze Situation hat. Und bei Trennungsprojekten ist control meist wenig bis überhaupt nicht gegeben. Die Trennung bricht auf einen oft herein wie ein Gewitter. Und selbst dann, wenn wir in gewisser Weise vorbereitet waren (z.B. beim Tod von einem Menschen, der zuvor schwer krank war), haben wir doch keinen Einfluss auf den genauen Zeitpunkt. Deswegen treffen uns selbst diese Trennungen hart, wenn auch vielleicht weniger wuchtig wie völlig unvorhergesehene Trennungen. Trennungsprojekte sind auch deswegen so dunkle und düstere Projekte, weil sie viel mit Trauer und Trauerarbeit zu tun haben. Zu trauern, das ist den meisten von uns unangenehm, und oft wissen wir gar nicht, wie „richtiges” Trauern überhaupt geht. Ich bin bei Gott kein Experte für Trauer und Trauerarbeit, eher im Gegenteil. Aber mir kommt vor, dass die allermeisten von uns den Schmerz und die Trauer in unserem Leben so weit wie nur irgendwie möglich vermeiden wollen - und dass wir dabei mitunter zu weit gehen. Was meine ich damit?  Ich glaube, dass viele Trennungsprojekte, von denen wir überrascht sind, trotzdem nicht ganz unvorhersehbar waren. Nur: Wir wollen oft die Zeichen nicht wahrnehmen. Nicht selten kündigen sich Trennungsprojekte heimlich, still und leise lange vor der eigentlichen Trennung schon an und gehen nicht von heute auf morgen - auch wenn uns das oft so vorkommt. Aber wir sehen halt nur, was wir sehen wollen - und vor Enttäuschung, Krankheit und Verlust verschließen wir oft die Augen - so lange, bis wir beim besten Willen nicht mehr wegsehen können. Ich habe mir überlegt, ob ich jetzt an das Ende dieser Folge noch etwas Aufheiterndes oder Tröstliches setzen soll. Die Folge ist ja nicht gerade erbaulich bis jetzt gewesen. Aber nein, das mache ich nicht. Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind und bleiben sehr dunkle und düstere Projekte, auch wenn sie natürlich vorüber gehen und früher oder später wieder durch erfreulichere Personal Projects abgelöst werden. Aber diese Trennungsprojekte sind ein essenzieller Teil unseres Lebens, sie haben ihren Platz und ihre Zeit in unserem Leben - ob wir das wollen oder nicht -, und deswegen sollen sie auch ihren Platz in diesem Podcast haben: So wie sie sind, dunkel und düster, ohne gleich wieder von ihnen abzulenken.
S09E07: Hilflosigkeit (#93)
May 1 2020
S09E07: Hilflosigkeit (#93)
Worum geht's in dieser Folge?In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte geht es diesmal um Personal Projects, bei denen wir uns machtlos fühlen, fast wie ohnmächtig. Ohne die Macht, etwas zu verändern, zum Zuschauen gezwungen.Wie kommt es zu dieser Hilflosigkeit? Darum soll es in dieser Folge gehen.Wenn wir uns als Personal Project Manager sehen, also die Manager unserer Personal Projects, dann fühlen uns mitunter in zweifacher Hinsicht hilflos:1. Hilflosigkeit in der "manageability"Manageability: Traue ich mir zu, ein Personal Project zum Erfolg zu bringen?Manche Personal Project sind einfach überwältigend, weil wir sie für nicht managebar halten. Wir haben keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Wir wissen oft gar nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen, so überwältigend sind diese Projekte. Wir fragen uns: Wie soll ich das nur schaffen?Wichtig ist hier der Unterschied zwischen „herausgefordert sein“ und Hilflosigkeit: Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht nur ein bisschen aus unserer Komfortzone herausgeholt werden, sondern wenn wir so überfordert sind, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen, wo wir resignieren, weil das Projekt so überwältigend anspruchsvoll auf uns wirkt. Was können wir in diesem Fall gegen unsere empfundene Hilflosigkeit tun? Kurz gesagt: Wir müssen das Gefühl der Überforderung reduzieren. Und das lässt sich z.B. durch folgende Maßnahmen erreichen:Sich helfen lassen (von Menschen, die mehr manageability haben = Menschen, die sich mit solchen Projekten auskennen = „Experten“, „Profis“)Lernen, Kompetenzen erweitern; versuchen, selbst ein bisschen zum Profi zu werden. Projekt in kleinere Einheiten zerlegen, die für sich leichter zu managen sind. Wachsen mit den Aufgaben = lohnenswerte Herangehensweise für Personal Project Manager.Aber: Bei Überforderung rechtzeitig Hilfe holen. Auch wir Personal Project Manager brauchen nicht alles allein lösen.2. Hilflosigkeit in der "control"Ganz andere Form der Hilflosigkeit. Diese Hilflosigkeit drückt sich so aus: Egal, was du machst, es bringt nichts. Es hat keinen vorhersehbaren Einfluss auf das Ergebnis. Und wenn du dich auf den Kopf stellst und im Quadrat springst… es nützt nichts. Bei einem Projekt, wo du ganz wenig control hast, bist du sehr stark abhängig von anderen Menschen, von den Umständen, vom Schicksal, vom Glück oder was auch immer. Jedenfalls hast DU kaum Einfluss auf die Projektergebnisse und empfindest eine Art Willkür. Es ist wie bei der Geschichte von Sisyphos: Du rollst den Stein rauf, aber dann kommt irgendwas daher und lässt den Stein wieder runter rollen. Die Götter wollen es so, du bist dagegen machtlos.Beispiel: Geliebter Mensch ist krank. Egal, was du tust, die Gesundheit oder Genesung dieses Menschen liegt nicht in deinen Händen, ist nicht in deiner control. Du kannst natürlich ein bisschen was dazu beitragen, dass es dem Kranken unter den Umständen ein bisschen besser geht, aber was seine Gesundheit betrifft, kannst du nur zuschauen und hoffen und beten. Du selbst kannst da nichts ausrichten. Dieses „hilflos zusehen müssen“ ist gerade für Personal Project Manager nur sehr, sehr schwer zu ertragen. Projekte, in denen wir wenig control empfinden, das können ganz, ganz dunkle Projekte in unserem Leben sein. Erlernte HilflosigkeitInwieweit wir nämlich das Gefühl haben, dass wir in einem bestimmten Personal Project etwas ausrichten können oder nicht, das haben wir gelernt. Ja, wir haben gelernt, in welchen Situationen wir uns hilflos fühlen und wann nicht.Die Idee der erlernten Hilflosigkeit kommt von Martin Seligman, der daran in den 1960er-Jahren geforscht hat.Wenn wir sagen: „Da kann man halt nichts machen“... Wann das für uns gilt, haben wir als Kinder gelernt -  von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir übernehmen sozusagen die Hilflosigkeiten und die Ohnmacht unserer Eltern als unsere eigene.Das Problem dabei ist natürlich: Wenn wir erwachsen werden, hinterfragen wir diese erlernte Hilflosigkeit nicht mehr. Wir glauben weiterhin das, was wir einmal erlernt haben. Und wir glauben das wirklich, das ist keine Ausrede und kein Vorwand. Es hilft also, bei einem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit bewusst innezuhalten und zu hinterfragen: Stimmt es tatsächlich noch, stimmt es überhaupt, dass ich da gar nichts tun kann? Bin ich wirklich zur Untätigkeit gezwungen? Gibt es wirklich nichts, das ich ausrichten kann?Es gibt genug Projekte, in denen wir wirklich nichts ausrichten können. Aber mitunter kommt es auch vor, dass es zwar gestimmt hat, dass wir als Kind nichts ausrichten konnten, aber die Zeit unserer Kindheit ist längst vorbei. Heute sind wir Erwachsene, heute leben wir im Jahr 2020, und da können wir uns fragen: Stimmt es immer noch, dass ich in diesem Projekt, in dieser Situation hilflos bin?Wie gesagt: Es gibt genug Situationen, in denen wir beim besten Willen nichts ausrichten können, aber manchmal sitzen wir bei einem genaueren Blick einer erlernten Hilflosigkeit auf, von der wir uns gerne verabschieden können. Und darauf sollten wir Personal Project Manager immer einen Blick haben.
S09E08: Der eigene Tod (#94)
May 8 2020
S09E08: Der eigene Tod (#94)
Worum geht's in dieser Folge? In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte sind wir vielleicht beim düstersten Projekt überhaupt angekommen, nämlich bei unserem eigenen Tod. Ja, ich behaupte, auch unser Tod ist ein Personal Project, und düster ist es allein schon deswegen, weil wir so gut wie nie darüber reden. Oder wann hast du zuletzt mit jemandem über deinen Tod gesprochen? Wir mögen da auch nicht so gern daran denken, weil wir nicht wissen, was uns da erwarten wird, weil uns das Angst macht und weil wir sowieso und überhaupt noch ganz jung sind und so viel zu tun haben und wir uns auf diese Weise immer wieder vorgaukeln, dass der Tod ausgerechnet uns nicht betreffen würde. Das ist natürlich Unsinn, so schmerzvoll es auch sein mag, daran zu denken. Ich möchte in dieser Folge aber mal den Finger in die Wunde legen und sagen: Wir werden alle sterben, und ich bin der Meinung, dass es besser ist, sich lieber früher als später damit auseinander zu setzen. Ich will aber jetzt keine Folge aufnehmen nach dem Motto: Wie wir uns am besten mit dem Tod konfrontieren können und wie wir lernen, mit ihm umzugehen und all das, was in so Büchern steht wie „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”. Nicht, dass das nicht sinnvoll wäre, aber ich mache ja einen Podcast über Personal Projects, also will ich mich dem Thema auch aus der Sicht eines Personal Project Managers nähernWas ich nämlich spannend an dem Personal Project „Eigener Tod” finde - und ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu makaber -, ist, dass das ein extrem gutes weil extrem radikales Beispiel dafür ist, wie eng miteinander verwoben unsere eigenen Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sind. Es ist ein richtiges Spinnennetz an Personal Projects, das wir im Laufe unseres Lebens weben und wo unser Spinnennetz ganz eng verknüpft ist mit den Spinnennetzen anderer Menschen.  Jetzt könnte man nämlich her gehen und sagen: „Geh bitte, Günter, was kümmert mich mein eigener Tod und alles, was danach ist? Das werde ich nicht mehr erleben, da kann ich dann sowieso nix mehr machen.” Und das hat ja auch was für sich, aber es ist halt auch ein bisschen zu kurz gedacht. Weil nämlich: Nur weil du stirbst, stirbt nicht das Personal Project. Mit anderen Worten: Personal Projects bestehen in gewisser Weise unabhängig von uns. Wenn wir sterben, bleibt das Projekt unseres Todes bestehen, aber jetzt müssen sich eben andere darum kümmern.  Wenn wir also sagen, unser eigener Tod betrifft uns nicht, dann stimmt das zwar, aber wir haben trotzdem zu Lebzeiten Verantwortung für das Personal Project, um das sich nach unserem Tod nämlich unsere Hinterbliebenen, unserer Familie, unsere Ehepartner, unsere Kinder kümmern müssen. Und wenn wir die Arbeit in diesem Projekt nicht erledigen, dann müssen die das tun. Und da ist halt die Frage: Will ich das? Will ich den kompletten Workload des Projekts meines eigenen Todes meinen Nachfahren überlassen? Kann ich machen, aber ich find’s ehrlich gesagt keine gute Idee und auch nicht das, was ich mir unter einem verantwortungsvollen Personal Project Management vorstelle. Na gut, was bedeutet es denn jetzt konkret, Verantwortung für das Personal Project seines eigenen Todes zu übernehmen? Aus meiner Sicht bedeutet das, dieses ganze Projekt-Packerl so leicht wie möglich für deine Nachfahren zu machen - denn dieses Projekt ist eines, das du garantiert übergeben werden musst. Und dabei geht es vor allem um die Dinge, auf die du zu Lebzeiten schon Einfluss nehmen kannst. Natürlich weißt du nicht, wann und unter welchen Umständen du sterben wirst. Aber es ist ziemlich sicher, dass du ein Begräbnis brauchen wirst. Also kannst du heute schon daran arbeiten, wie dein Begräbnis aussehen soll, wie du bestattet werden willst, wer wie von deinem Ableben verständigt werden soll und so weiter. Wenn du Familie hast, wäre es auch sehr verantwortungsvoll, wenn du ein Testament hinterlässt, wo du genau geregelt hast, wie dein Erbe aussehen und verteilt werden soll. Und die ultimative Verantwortung übernimmst du dann, wenn du dieses Testament nicht nur im Stillen für dich hinschreibst, sondern es zu Lebzeiten schon mit allen besprichst, die es betrifft. Damit kannst du eventuell schon Unstimmigkeiten und größere und kleinere Probleme rechtzeitig ausräumen. Oder hast du dir Gedanken darüber gemacht, was mit deinem „digitalen Erbe” geschehen soll? Deinen Social Media Accounts? In meinem Fall: Dieser Podcast oder meine Websites? Was soll damit sein, wenn du nicht mehr lebst? Wer soll sich darum kümmern - und wie? Natürlich sind das alles keine angenehmen Fragen. Natürlich ist es kein lustiges Projekt, sich solche konkreten Gedanken über seinen eigenen Tod zu machen. Deshalb ist es ja ein dunkles und düsteres Projekt. Aber nochmals: Nur, weil du nicht darüber nachdenken willst, geht das Projekt nicht weg. Du kannst das Projekt zwar ignorieren, aber es bleibt da. Und wenn du dich nicht drum kümmerst, dann werden es deine Nachfahren machen müssen - noch zusätzlich zur Trauerarbeit, die sie ohnehin leisten werden.  Wenn das für dich okay so ist, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber ich persönlich bin der Meinung, dass ich dieses Projekt so leicht wie nur irgendwie möglich für meine Nachfahren machen möchte. Was kann das konkret bedeuten, also in meinem Fall? Ich schreibe gerade mein Testament, wo es nicht nur darum geht, wer meine Sachen bekommen soll, sondern auch um so schwierige Sachen wie die Obsorge für die Kinder.Ich habe mit meiner Frau über alle Passwörter, Bankkonten, Versicherungen etc. gesprochen. Es gibt ein Dokument, wo diese Informationen immer aktuell gehalten werden und womit sie sich darauf verlassen kann, dass sie alle Informationen haben wird, die sie braucht, auch wenn ich nicht mehr ansprechbar bin.Ich lege genau fest, wie ich bestattet werden will und wie mein Begräbnis aussehen soll. Bis hin zur Musik, die gespielt werden soll.Ich mache mir Gedanken darüber, was ich meinen Kindern hinterlassen will, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch an emotionalen Dingen von mir.Und so weiter.  Mag sein, dass das vielleicht für den einen oder die andere da draußen befremdlich oder makaber klingt. Ganz ehrlich: Für mich ist das auch kein lustiges Projekt. Es macht mir keinen Spaß, über Ablebensversicherungen zu recherchieren oder mir anzuschauen, was ein Holzsarg kostet. Aber es bleibt trotzdem MEIN Personal Project, für das ich Verantwortung habe - ob mir das nun gefällt oder nicht. Und ich weiß, dass mir meine Familie dafür einmal sehr dankbar sein wird.  Und ich lade dich sehr herzlich dazu ein, ebenso Verantwortung für das Projekt deines eigenen Todes zu übernehmen und im Diesseits schon das zu regeln, wozu du im Jenseits keine Gelegenheit mehr haben wirst.
S09E12: Finale der 9. Staffel - Rückblick und Ausblick (#98)
Jun 5 2020
S09E12: Finale der 9. Staffel - Rückblick und Ausblick (#98)
Worum geht's in dieser Folge? Diese Folge ist das Staffelfinale dieser 9. Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser Folge möchte ich wie in jedem Staffelfinale einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Staffel machen, einen Blick auf die Zukunft des Podcasts werfen und auch ein bisschen darüber reden, was sich sonst so tut. 1. Rückblick Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf diese abgelaufene neunte Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser neunten Staffel ging es ja um unsere „dunklen und düsteren Projekte”. Ich verstehe darunter all jene unserer Personal Projects, die irgendwie im Schatten oder Halbschatten unseres Lebens leben. Es sind Projekte, die meist hinter dem Vorhang bleiben, über die wir nicht reden, von denen wir nicht wollen, dass andere von ihnen wissen. Was ich an diesen Projekten so interessant finde, ist, dass wir uns zwar meisten so wenig wie nur irgendwie möglich mit ihnen beschäftigen wollen, aber gleichzeitig treiben uns diese Projekte stärker an als alle anderen Projekte in unserem Leben. Das, was uns im Leben motiviert, kommt oft aus sehr dunklen Quellen, und umso wichtiger wäre es, dass wir besonders in diese dunklen Ecken ab und zu mal hineinleuchten und schauen, was da alles so kreucht und fleucht.  Aber angenehm ist das nicht gerade, und deswegen habe ich auch das Gefühl, dass diese neunte Staffel ein bisschen „schwer” war. Zwar wichtig, über diese Projekte zu reden, aber die Leichtigkeit, die der Podcast vielleicht in anderen Staffeln hatte, war in dieser Staffel definitiv nicht vorhanden. Das habe ich auch beim Schreiben und beim Aufnehmen der Folgen gemerkt. Interessant ist ja der Zufall, dass diese Staffel genau mit der Corona-Krise zusammengefallen ist. Das war beim Start der Staffel für mich überhaupt nicht absehbar, aber im Nachhinein denke ich mir, dass es wahrscheinlich keine bessere Zeit als eine Krise gibt, um sich mit dunklen und düsteren Projekte zu beschäftigen. Oder, anders gesagt: Gerade in Krisen blubbern diese dunklen und düsteren Projekte besonders oft an die Oberfläche, und man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, ob man will oder nicht, weil sie sich einfach nicht mehr länger unter den Teppich kehren lassen. Und obwohl ich versuche, dass meine Podcast-Folgen immer Evergreen-Content sind (also dass man sie jederzeit hören kann, dass sie kein Ablaufdatum haben), glaube ich doch, dass sie gerade jetzt eine besondere Wirkung haben. Zumindest ist es mir so gegangen mit ihnen. Was waren so die Themen dieser Staffel? Es ging um unsere Inneren Dämonen, um Selbstsabotage-Projekte, um Projekte, die wir hassen, um Trennungsprojekte, um Hilflosigkeit und sogar über den eigenen Tod. Es gab einen Buchclub, in dem Martin und ich über die Geschichte eines Massenmörders gesprochen haben, und dann gab es noch zwei Philosophicume, Philosophica, auch eine Premiere. Insgesamt bin ich zufrieden mit der Staffel und den Themen, die ich ausgewählt und besprochen habe. Und gleichzeitig bin ich wie nach jeder Staffel froh, dass das Thema jetzt mal für’s Erste durch ist. Aber wie gesagt, dieses Gefühl habe ich nach jeder Staffel, und das passt auch gut so. Damit sind wir auch schon bei der nächsten Frage: 2. Wie geht es denn eigentlich dem Podcast? Zuerst einmal gab’s eine große organisatorische Veränderung. Es war nämlich die erste Staffel, wo der Ausstrahlungstag durchgängig  von Dienstag auf Freitag gewandert ist. Das hat den erhofften Effekt gehabt, dass es mir etwas leichter gefallen ist, die Folgen aufzunehmen und in meinem Zeitplan unterzubringen. Wobei ich auch sagen muss, dass diese Staffel für mich besonders herausfordernd war, was mein Zeitmanagement betrifft. Dass ich es immer geschafft habe, am Freitag eine Folge auszustrahlen, darauf bin ich schon ein bisschen stolz, weil das auch die eine oder andere Nachtschicht bedeutet hat. Insofern hat auch hier ein bisschen die Leichtigkeit früherer Staffeln gefehlt, und vielleicht bin ich deswegen diesmal besonders happy, beim Staffelfinale angekommen zu sein. Was sagen die Zahlen? Naja, seit Beginn der Staffel Mitte März 2020 sind wieder über 1.100 Downloads dazu gekommen, und mit Stand Anfang Juni 2020 wurde der Podcast über 12.000 mal downgeloadet. Im Vergleich mit anderen Podcasts sind das natürlich Peanuts, aber für mich ist es unglaublich, dass immer wieder so viele Menschen hören möchten, was ich zu sagen habe. Also danke an alle meine Hörerinnen und Hörer da draußen, ich weiß wirklich zu schätzen, dass ihr da seid. Die meistgehörte Folge dieser Staffel war bisher übrigens die Folge über die Selbstsabotage-Projekte. Aber auch Folgen der vergangenen Staffeln werden gerne gehört, was mich sehr freut und mir zeigt, dass meine Idee, Evergreen-Content zu produzieren, den man jederzeit hören kann, ganz gut zu funktionieren scheint. Der Podcast ist ja auch auf Spotify, und auch dort habe ich eine treue Fangemeinde. Interessanterweise sagt mir Spotify, dass 82% meiner Hörerinnen tatsächlich Hörerinnen sind, also weiblich, und zum überwiegenden Teil aus Deutschland. Also an dieser Stelle auch ein herzlicher Gruß an meine Hörerinnen auf Spotify! Und damit wären wir auch schon beim letzten Punkt: 3. Wie geht’s weiter mit [Projekt: Leben]? Zunächst gibt es in zwei Wochen eine Special-Folge, wo mein Co-Host Martin Schmidt und ich über ein Shared Project von uns sprechen werden, an dem wir zwei Jahre lang gearbeitet haben. Wir haben nämlich gemeinsam ein Buch geschrieben! Über dieses Buch und vor allem über unsere Erfahrungen mit diesem Shared Project werden wir also in dieser Special-Folge sprechen, die gleichzeitig die 99. Folge des Podcasts ist. Und zur 100. Folge, was gibt’s da?  Das weiß ich noch nicht genau. Einerseits habe ich mir überlegt, für die 100. Folge etwas Besonderes zu machen, andererseits könnte die 100. Folge auch die erste Folge der 10. Staffel von [Projekt: Leben] sein. Wie gesagt, ich weiß noch nicht genau, was ich machen werde. Momentan habe ich auch noch kein bestimmtes Thema für die 10. Staffel geplant, zwar ein paar Ideen, aber noch nichts Zwingendes. Also habe ich für mich mal beschlossen, eine längere Sommerpause einzulegen und im September 2020 wieder weiter zu machen. So wie bei allen Projekten, auch bei unseren Herzensprojekten, tut es manchmal gut, ein bisschen Abstand zu gewinnen und dann mit frischen Kräften und neuen Ideen ans Werk zu gehen. In diesem Sinne bin ich gespannt, was sich in den nächsten Wochen und Monaten rund um [Projekt: Leben] entwickeln wird. Ich freue mich, wenn du dem Podcast auch in Zukunft gewogen bleibst und wünsche dir einen wunderbaren Sommer und viel Spaß mit deinen Personal Projects!
Die 100. Folge: Sag zum Abschluss leise Servus...
Oct 2 2020
Die 100. Folge: Sag zum Abschluss leise Servus...
Servus und willkommen bei „Projekt: Leben“. Schön, dass du auch dieses Mal wieder dabei bist!Ich sag’s gleich vorweg, kurz und schmerzlos: Diese 100. Folge von [Projekt: Leben] ist gleichzeitig die letzte Folge. Ja, es heißt Abschied nehmen nach zweieinhalb Jahren Podcast.Ja, und deswegen sage ich zum Abschied leise servus mit dieser 100. Podcast-Folge. Vielleicht fragst du dich jetzt: Sag, Günter, wie kommst du denn auf diese Idee? Warum hörst du jetzt mit dem Podcast auf? Vor der Sommerpause hast du ja noch gesagt, dass es eine 10. Staffel geben wird! Warum jetzt dieser Meinungsumschwung? Das ist ja auch ewig schade, weil du hast ja so viel Arbeit und Zeit in den Podcast gesteckt, und jetzt hörst du auf?Ja, das mag schon stimmen, aber will ich dir kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist, weil das ist nämlich ziemlich interessant und auch typisch für so manche Personal Projects:Es gab auch eine ganz andere 100. Folge. Nämlich eine 100. Folge mit dem Ausblick auf die 10. und 11. Staffel. Die war auch schon fertig getextet. Es gab auch einen fix-fertigen Redaktionsplan mit allen Podcast-Folgen-Themen bis Ostern 2021. Ich hatte alles schon vorbereitet, aber dann…Aber dann… Aber dann ist etwas passiert. Nämlich, besser gesagt: Es ist NICHTS passiert. Der fix-fertige Text für die 100 Folge ist einfach liegen geblieben. Ich hätte den Text einfach nur mehr aufnehmen müssen, eine halbe Stunde Arbeit und fertig. Aber irgendwie habe ich die Aufnahme immer wieder verschoben. Irgendwie habe ich diesen Text einfach nicht aufnehmen wollen. Und eines Nachmittags bin ich dann im Garten gelegen, hab meinen Kindern beim Spielen zugeschaut und mir gedacht: Moment mal - was ist da eigentlich los? Und da ist mir gedämmert: Ich glaube, ich will ich den Text nicht aufnehmen, weil ich nicht dahinter stehe. Ich glaube, ich schiebe die Aufnahme vor mir her, weil das, was drinnen steht, anscheinend gar nicht das ist, was ich eigentlich sagen will.Mir ist klar geworden: In Wirklichkeit will ich keine 100. Folge aufnehmen. In Wirklichkeit will ich auch keine 10. und 11. Staffel aufnehmen. In Wirklichkeit will ich mit dem Podcast aufhören. Diese Erkenntnis hat mich natürlich zunächst mal selber ziemlich geflasht. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto stimmiger ist diese Erkenntnis geworden. Bleibt vielleicht noch die Frage: Warum ist das so? Warum will ich mit dem Podcast aufhören? Dafür gibt’s so 3 Hauptgründe:Es ist alles gesagt. Nach 2,5 Jahren und um die 2000 Minuten, in denen ich über Personal Projects geredet habe, ist das Projekt irgendwie zu einem natürlichen Ende gekommen.Ich will den Podcast nicht künstlich verlängern. Könnte ich, aber das ist nicht mein Verständnis von einem guten Podcast. Es ist besser, wenn jetzt der eine oder andere Hörer sagt: Schade, dass es jetzt vorbei ist. Und nicht: Mein Gott, jetzt wiederholt er sich zum siebten Mal. Ich genieße es momentan, ein bisschen mehr Freizeit und Freiraum für andere Personal Projects zu haben. Einen Podcast regelmäßig zu machen braucht ganz schln viel Zeit und kreative Energie, und ein bisschen Entschleunigung tut mir gut. Bedeutet das jetzt, dass ich von der Idee der Personal Projects und der Personal Projects Theorie nicht mehr überzeugt bin?Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil! Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass das Verständnis unserer Personal Projects der Schlüssel ist, um zu verstehen, warum wir tun, was wir tun, warum wir sind, wer wir sind, wie wir werden, wer wir sind. Die Inhalte des Podcasts sind alle weiterhin gültig, von der ersten Folge bis zu dieser 100. - und werden es noch lange, lange bleiben.Deswegen verschwindet der Podcast auch nicht. Der komplette Content bleibt online. Auch meine Website projekt-leben.jetzt mit den schriftlichen Zusammenfassungen der Folgen bleibt online - quasi als großes Nachschlagewerk für dich und alle anderen Personal Project Manager da draußen, wenn du mal Input und Inspiration zu deinen Personal Projects brauchst.Damit sind wir auch bei einem Punkt, der mir in dieser Abschlussfolge der wichtigste ist: Nämlich Du, liebe Hörerin, lieber Hörer. Einerseits: Vielen Dank, von Herzen, für deine Treue und dass du mir dein Ohr geliehen hast. Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Podcast bei deinem Personal Project Management unterstützen.Und andererseits ist dieses Ende auch ein Startpunkt für dich, liebe Hörerin, lieber Hörer: Jetzt ist es nämlich an der Zeit, dass der Vogel das Nest verlässt. Ab jetzt liegt es an dir. Ich habe dir alles mitgegeben, das du zum Management deiner Personal Projects brauchst. Ich habe über Beziehungsprojekte und Selbstprojekte und Herzensprojekte und sogar über dunkle und düstere Projekte gesprochen. Es gab Buchclubs und Philosophicums und Interviews. Es ist alles da, was du brauchst, auch immer wieder gerne zum Nachhören oder Nachlesen. Und ich bin auch weiterhin erreichbar unter post@projekt-leben.jetzt, wenn ich dir helfen kann. Deshalb ist das Ende auch ein Anfang: Für dich, weil du jetzt wie ein Vogel das Nest verlässt. Aber auch für mich. Ich habe nämlich auch schon ein neues Projekt im Hinterkopf, das sich auch um Personal Projects drehen wird, wenn auch auf eine ganz andere Art. Aber dazu mehr zu gegebener Zeit. In diesem Sinne: Danke fürs Zuhören heute und überhaupt - und von Herzen alles Gute für deine Personal Projects!

Season 8

S08E01: Interdependenz (#77)
Nov 26 2019
S08E01: Interdependenz (#77)
Worum geht's in dieser Folge?Mit dieser Folge startet die 8. Staffel von [Projekt: Leben], und das Generalthema dieser 8. Staffel sind unsere „shared projects”, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - sei es, weil wir uns das freiwillig so ausgesucht haben oder sei es, weil wir diese Projekte von anderen Menschen auf’s Auge gedrückt bekommen haben.  In gewisser Weise ist diese Staffel bzw. dieses Thema überfällig. Rückblickend betrachtet habe ich mich sieben Staffeln lang mehr oder weniger mit Personal Projects aus Sicht der Einzelperson, aus Sicht des individuellen Personal Project Managers beschäftigt. Diese Sichtweise war mir deshalb so wichtig, weil ich rüberbringen wollte, dass wir für unsere Personal Projects in erster Linie selbst verantwortlich sind. Wir können uns da auf niemanden ausreden, denn am Ende des Tages ist es UNSERE eigene Lebenszufriedenheit, die wir mit unseren Personal Projects bestimmen - zum Guten oder zum weniger Guten. Diese Sichtweise hatte aber auch zur Folge, dass ich diese Eigenverantwortung, diese individuelle Verantwortlichkeit mitunter etwas überbetont habe. Klarerweise sind unsere Personal Projects ganz stark verknüpft mit anderen Menschen und deren Personal Projects. Wenn wir auf unsere eigenen Personal Projects schauen, dann sehen wir in Wirklichkeit ein dichtes Netz von Querverbindungen und Verzweigungen zwischen unseren eigenen Personal Projects und Menschen in unserer Umgebung. Und je näher uns diese Menschen stehen, desto stärker und häufiger sind diese Verzweigungen und Verbindungen. Genau diesen Aspekt der Verzweigungen und Verbindungen möchte ich in dieser Folge ein bisschen genauer beleuchten. Ich möchte nämlich über das Konzept der „Interdependenz” sprechen, mit der sich diese ganz starke Vernetzung unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sehr gut illustrieren lässt.  Ich will mal versuchen, euch Interdependenz nicht theoretisch zu erklären, also mit Begriffsdefinitionen oder so, sondern anhand von zwei Blickwinkeln, die euch ein Gefühl dafür geben sollen, worum es bei Interdependenz geht. Interdependenz ist nämlich eines jener Dinge, wo ich finde, das versteht man am besten indirekt, indem man ein „Gefühl” dafür bekommt.  Also, hier ist der erste Blickwinkel: 1. Gepflegte AbhängigkeitenVor ein paar Wochen war ich bei einem Vortrag von Andy Holzer. Andy Holzer ist ein Osttiroler Bergsteiger, der  auch den Mount Everest bestiegen hat. Gut, das machen mittlerweile ein paar Hundert Menschen pro Jahr, aber das Besondere bei Andy Holzer ist, das er blind ist. Er hat also als erster blinder Mensch den Mount Everest bestiegen. Eine großartige Leistung also. Bei dem Vortrag von ihm ging es unter anderem eben auch um diese Everest-Besteigung, und er hat davon erzählt, dass das natürlich nur möglich ist, wenn man Menschen dabei hat, die einem dabei helfen. Er hatte also ein Team dabei, ohne das dieses Personal Project gar nicht möglich gewesen wäre.  Andy Holzer hat das so beschrieben, dass er sich als blinder Mensch sein ganzes Leben lang in Abhängigkeit von Menschen befindet, die ihm Dinge ermöglichen, die er alleine nicht könnte. Und dann hat Andy Holzer etwas sehr Spannendes gesagt: Er achtet sehr darauf, dass diese Abhängigkeiten, die er da eingeht,  „gepflegte Abhängigkeiten” sind. „Gepflegte Abhängigkeit”, das finde ich ein wunderschönes Bild. Keine Abhängigkeiten, die uns schwach und hilflos machen, sondern Abhängigkeiten von Menschen, die uns dabei helfen, etwas Großes zu erreichen, das wir alleine nicht erreichen könnten. Gepflegt abhängig zu sein bedeutet also, sich bewusst in die Abhängigkeit begeben - und das nicht als Bürde, sondern als absolute Chance zu sehen. Sich darauf einzulassen. Projekte gemeinsam anzugehen und darauf zu vertrauen, dass das Ergebnis mehr ist als die Summe seiner Teile. Wir sind nämlich NICHT auf der Welt, um von anderen Menschen völlig unabhängig zu sein - sondern, um mit unserer Umwelt in Gegenseitigkeit zu leben. Um füreinander da zu sein. Andy Holzer hat das so zusammengefasst: „Wir brauchen einander bitter nötig. Am Anfang brauchen wir die Hebamme, am Schluss brauchen wir den Totengräber." 2. Persönliches WachstumDer zweite Blickwinkel kommt von Stephen Covey, dem Autor des Buches „Die 7 Wege zur Effektivität”, einem echten Klassiker der Selbstmanagement-Literatur. Stephen Covey sagt in dem Buch, dass Interdependenz das Ergebnis ist eines persönlichen Wachstumsprozesses, und dieser Prozess läuft in drei Phasen ab: Abhängigkeit. Wir sind von bestimmten Menschen abhängig, z.B. von einem Arbeitgeber oder einem Großkunden oder auch unseren Eltern oder unseren Ehepartnern. Irgendwie und irgendwann kommen wir drauf, dass uns diese Abhängigkeiten nicht gut tun, und wir beginnen gegen sie zu rebellieren. Unabhängigkeit: Wir lehnen alle Abhängigkeiten ab. Wir wollen selbst für unser Leben und unser Glück verantwortlich sein. Wir wollen das Steuer in der Hand haben, wir wollen uns nach niemandem richten müssen. Das Pendel schlägt sozusagen in die andere Richtung aus. Interdependenz: Das Pendel pendelt sich in der Mitte ein. Nachdem wir gelernt haben, unabhängig zu sein und für uns selbst zu sorgen, können wir in dieser Phase der Interdependenz wieder Abhängigkeiten oder vielleicht passender Kooperationen eingehen - und zwar aus einer Position der eigene Stärke heraus, der eigenen Unabhängigkeit. Nicht, weil wir uns abhängig machen müssen, sondern weil wir WOLLEN. Weil wir begreifen, dass wir uns selbst etwas Gutes tun, wenn wir uns von anderen Menschen in unseren Personal Projects helfen lassen, wenn wir andere Menschen in unseren Personal Projects mitarbeiten lassen, und wenn wir gleichzeitig zulassen, anderen Menschen bei DEREN Personal Projects zu unterstützen - nämlich ohne selbst etwas dafür zu wollen, außer dass dieses Projekt eines Menschen, der uns wichtig ist, zum Erfolg wird. Wenn wir das jetzt auf unsere Personal Projects übertragen, dann könnte Interdependenz sowas sein wie die Erkenntnis, dass wir für viele unserer Personal Projects - vielleicht sogar für die meisten - andere Menschen BRAUCHEN, dass wir andere Menschen in unsere Personal Projects involvieren sollten. Nicht als ein Zeichen von Schwäche, sondern als ein Ausdruck von großer Selbstsicherheit und von großem Vertrauen. Stephen Covey bringt das so auf den Punkt: „Interdependenz ist zehnmal schwieriger als Unabhängigkeit. Kreative Zusammenarbeit erfordert ein enormes Maß an Unabhängigkeit, innerer Sicherheit und Selbstbeherrschung.” Wenn wir die Stärke und die Magie dieser „gepflegten Abhängigkeiten” begriffen haben, dann beginnen wir vielleicht auch zu verstehen, wie essenziell es ist, dass auch wir eine Rolle spielen in den Personal Projects anderer Menschen, weil sie nur durch unser Mitwirken zur vollen Entfaltung kommen können. Um genau das in all seinen Facetten soll es in den restlichen Folgen dieser Staffel gehen: Shared Projects als jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - nicht aus Abhängigkeit, nicht aus Zwang, nicht als Bürde, sondern weil wir uns gegenseitig BRAUCHEN, um all das zur Entfaltung zu bringen, was uns das Leben an Möglichkeiten schenkt.Zusammenfassung...
S08E02: Erfolg ist unwahrscheinlich (#78)
Dec 3 2019
S08E02: Erfolg ist unwahrscheinlich (#78)
Worum geht's in dieser Folge?In dieser 8. Staffel des Podcasts geht es ja um Shared Projects, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen unternehmen. In dieser Folge möchte ich der harten Wahrheit ins Auge sehen, dass der Erfolg solcher Shared Projects ziemlich unwahrscheinlich ist. Und ich werde dir auch erklären, warum das aus meiner Sicht so ist.Dazu vorab mal eine kurze Geschichte aus meinem Leben: Gehen wir zurück ins Jahr 2002. Da war ich gerade Student an der Fachhochschule in St. Pölten, Studiengang „Medienmanagement“. Dort haben wir Studenten viel gehört über Medientheorie und Kommunikationstheorie, und da war etwas dabei, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es war ein Satz von Niklas Luhmann, einem deutschen Soziologen. Und Niklas Luhmann hat gesagt: „Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“ Kommunikation ist unwahrscheinlich… Als ich das zum ersten Mal gehört habe, da habe ich mir gedacht: Was für ein Stuss. Typisch junger Student halt. Wie kann es sein, dass Kommunikation unwahrscheinlich ist, wo es doch so offensichtlich ist, dass Kommunikation funktioniert. Wir sehen es jeden Tag, dass Menschen miteinander reden und dabei auch was raus kommt. Damals habe ich für mich mitgenommen, dass ich nicht alles glauben sollte, was irgendein gescheiter Wissenschaftler erzählt.Und während ich immer noch glaube, dass man nicht glauben soll, was einem von so genannten Experten erzählt wird, so hat mich dieser Satz doch über die Jahre begleitet. Kommunikation ist unwahrscheinlich… Mit dem Satz im Hinterkopf ist mir über die Jahre aufgefallen, wie viele, viele Missverständnisse es in der täglichen Kommunikation gibt. Wie oft es vorkommt, dass wir einander nicht richtig verstehen und, wenn wir ganz ehrlich sind, wie oft es vorkommt, dass wir einander gar nicht richtig zuhören. Oder, überhaupt, wie oft gar nicht alles gesagt wird, was eigentlich zu sagen wäre.Kommunikation ist unwahrscheinlich… Ich glaube heute, dass das stimmt. Niklas Luhmann hatte recht. Es ist ein nützliches Personal Construct davon auszugehen, dass das Missverständnis der Regelfall ist, nicht die Ausnahme. Wirklich gelungene Kommunikation ist viel seltener, als wir vielleicht naiverweise annehmen. Misserfolg in der Kommunikation ist viel wahrscheinlicher als Erfolg.Wenn wir jetzt unsere Personal Projects und besonders unsere Shared Projects ansehen, dann bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass auch in Shared Projects der Erfolg unwahrscheinlich ist. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher als dass wir mit Shared Projects glücklicher werden, ist, dass sie uns mehr Sorgen als Freude bereiten. Wie gesagt, das heißt nicht, dass Shared Projects nicht auch glücken können, aber aus meiner Sicht ist es vernünftig davon auszugehen, dass Erfolg die Ausnahme ist, nicht die Regel. Erfolg in Shared Projects ist unwahrscheinlich, davon bin ich überzeugt. Das ist vielleicht eine sehr pessimistische Sicht der Dinge, gerade zum Anfang einer ganzen Staffel, in der es um Shared Projects geht. Aber Ich will euch jetzt erklären, warum ich Erfolg in Shared Projects für unwahrscheinlich halte und auch, was diese geringe Erfolgswahrscheinlichkeit für unseren Umgang mit Shared Projects bedeuten könnte.  Ich behaupte also, dass Erfolg in unseren Shared Projects unwahrscheinlich ist. Aber wie komme ich zu dieser Behauptung? Ich will euch dafür sieben Argumente geben.1) InitialisierungEs fängt schon ganz am Anfang an. Es macht einen wesentlichen Unterschied, WER das Shared Project ins Leben ruft. Es macht einen Unterschied, ob ich das selbst bin oder ob mich jemand anderer mit einem Projekt „zwangsbeglückt“. Projekte, die wir auf’s Auge gedrückt bekommen, sind selten sehr motivierend für uns. Das ist auch der Grund, warum so viele Shared Projects im Job scheitern: Diese Projekte haben sich die meisten nicht ausgesucht, und entsprechend gering ist die Bereitschaft, wirklich alles beizutragen, was dieses Projekt zum Erfolg bräuchte. Gemeinsame Projekte, die man nicht selbst initiiert hat, haben schon mal eine wesentlich höhere Grundwahrscheinlichkeit zu scheitern als solche, die von einem selbst ausgehen.2) Unterschiedliche WarumIn Episode 2 der 6. Staffel habe ich bereits darüber gesprochen, wie essentiell das Warum eines Personal Projects für den Erfolg ist. Das gilt umso mehr für Shared Projects. Damit Shared Projects Erfolg haben, brauchen sie ein gemeinsames Warum aller Beteiligten. Alle Beteiligten müssen sich einig sein, warum und wozu es das Projekt gibt und was sie damit eigentlich erreichen wollen. Man kann sich vorstellen, dass so ein gemeinsames Warum immer schwieriger wird, je mehr Menschen an den Projekt beteiligt sind. Aber auch schon in Projekten, wo nur zwei Menschen zusammenarbeiten, passiert es ganz leicht, dass die Warum sehr unterschiedlich sind. Nehmen wir das Shared Project „Gemeinsam in Urlaub fahren“ her. Sagen wir, er möchte diesen Urlaub machen, weil er sich freut, viel Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Ihr aber geht es in Wirklichkeit darum, möglichst viel Sightseeing zu machen. Zwei unterschiedliche Warum, die aber durchaus gut zusammenpassen können. Sie können sich ja gemeinsam viel ansehen und dabei Zeit miteinander verbringen. Problematisch wird das nur, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Sagen wir, das Wetter ist schlecht, oder einer der beiden wird im Urlaub krank. Er sagt dann: Nicht so schlimm, wir können uns ja auch im Hotelzimmer gemeinsam eine schöne Zeit machen. Aber sie ist total unglücklich, weil sie um ihr Warum, das Sightseeing, umfällt. Es wird unausweichlich zu Konflikten kommen, und es wäre nicht der erste Pärchenurlaub, der im Streit endet.3) Unterschiedliche WerteDie zweite Folge der zweiten Staffel dieses Podcast trug den Titel „Am Ende sind es immer deine Werte“ - und das trifft auf Shared Projects umso mehr zu. Wenn gemeinsame Projekte gelingen sollen, dann braucht es gemeinsame Werte - nämlich immer dann, wenn die Situation nicht ganz eindeutig ist - was ja in Projekten eher der Normalfall ist. Gemeinsame Werte sorgen dafür, dass man gemeinsame Entscheidungen treffen kann. Beim Thema Geld sieht man das wunderbar, nämlich auch, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Werten aufeinander treffen. Kannst du dir ein Shared Project vorstellen, wo ein Mensch mit dem Wert „Sparsamkeit“ mit einem Menschen mit dem Wert „Genießen“ aufeinandertreffen? Ich kann mir das schon vorstellen, aber eine schöne Vorstellung ist das nicht.4) TransaktionskostenTransaktionskosten, das ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaft, aus der Kostenrechnung, genauer gesagt. Mit Transaktionskosten ist gemeint, dass jede Form von Transaktion, also jede Form von Austausch, mit Kosten verbunden ist. Ich denke, das können wir uns auch für Shared Projects gut vorstellen. Wenn man mit anderen Menschen in Projekten zusammenarbeitet, dann ist das aufwendig - oft viel aufwendiger, als wenn man es allein machen würde. Sich abstimmen, miteinander reden, anderen zuhören, über neue Ideen nachdenken… das ist alles aufwendig, es kostet vielleicht kein Geld, aber doch Zeit und Nerven. Transaktionskosten eben. Mitunter können diese Transaktionskosten so hoch sein, dass die Shared Projects zum Scheitern bringen. Nehmen wir als Beispiel wieder den Urlaub her. Der eine oder die andere von euch hat vielleicht schon die Erfahrung gemacht, wie es ist, als Pärchen gemeinsam mit einem anderen Pärchen Urlaub zu machen. Wem es bei der Erinnerung an einen solche...
S08E03: Wer "kümmert" sich um ein Shared Project?  (#79)
Dec 10 2019
S08E03: Wer "kümmert" sich um ein Shared Project?  (#79)
Worum geht's in dieser Folge?Diesmal geht es um die spannende Frage: Wem „gehört“ denn eigentlich ein Shared Project? „Gehört“ natürlich unter Anführungszeichen, soweit Projekte überhaupt jemandem gehören können. Aber mir geht es um Folgendes: Ich habe die Hypothese, dass auch Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen (also Shared Projects), einen so genannten „Project Owner“ haben müssen. Jemanden, der sich für dieses Projekt hauptsächlich zuständig fühlt. Ein Kollege von mir hat das mal so ausgedrückt: „Jedes Projekt braucht einen Kümmerer.“ Das finde ich eine schöne Bezeichnung für das, worum es in dieser Folge geht: Wer ist eigentlich dieser Kümmerer in unseren Shared Projects? Und da ja das Wort „kümmern“ von „Kummer“ kommt, könnte man es auch so ausdrücken: Wer hat in dem Projekt den meisten Kummer, wenn etwas nicht gut läuft? Genau um diese Kümmerer in Shared Projects, die so engagiert sind, dass sie das Projekt auch durch schwierige Phasen tragen, die dafür sorgen, dass das Projekt nicht sang- und klanglos untergeht, die in die Bresche springen, wenn Not am Mann ist… um diese Kümmerer soll es also in dieser Folge gehen. Wer kann der "Kümmerer" sein?Naja, da wäre erstens mal die Möglichkeit: Alle, die in dem Shared Project mitmachen, sind Kümmerer. Alle sind gleichermaßen engagiert und tragen Sorge für das Projekt. Diese Möglichkeit gibt es, aber ich glaube, das ist eher eine theoretische Möglichkeit. Ich kenne kein Shared Project in meinem Projektportfolio, wo ich wirklich sagen könnte, da sind alle Projektmitglieder gleichermaßen Kümmerer. Fällt mir weit und breit nichts ein. Es gibt immer einige, die sich etwas mehr engagieren und andere, die sich eher mitziehen lassen - im besten Fall, sofern sie nicht überhaupt quertreiben.  Noch dazu ist ja die Frage, ob es überhaupt wünschenswert wäre, wenn wirklich alle, die an dem Projekt mitarbeiten, auch echte Kümmerer wären. Was würde dann passieren? Die Abstimmung in dem Projekt wäre wahnsinnig aufwendig. Zu viele Köche verderben den Brei, heißt es. Oder, betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Die Transaktionskosten wären wahnsinnig hoch. In solchen Projekten mag man eigentlich gar nicht mitmachen, weil man das Gefühl hat, da treffen lauter Alphatiere aufeinander und da kommt trotz vielleicht wirklich guter Absichten kaum was Vernünftiges raus. Die zweite Möglichkeit, die schon wesentlich häufiger auftritt: Ein Shared Project hat überhaupt keinen Kümmerer. Da ist niemand, der die Initiative übernehmen würde, der Sachen anstößt, der klare Ansagen macht. Jeder wartet ab und schaut, was passiert. Das ist ein bisschen so wie bei Mikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Solche Projekte sind klarerweise dem Untergang geweiht und enden sehr häufig in der Projektversickerung - soll heißen, die Projekte verschwinden einfach irgendwann sang- und klanglos, weil irgendwann einfach niemand mehr darüber spricht. Der Mantel des Schweigens legt sich über das Projekt, und es wird heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Dritte Möglichkeit, auch sehr häufig: Jeder glaubt, der Andere ist der Kümmerer. Auch so ein Projekt ist eigentlich ein Zombie. Jeder schiebt dem anderen den Verantwortung für das Projekt zu und ist dabei auch der festen Überzeugung, dass er selbst ganz sicher nicht der Kümmerer sein kann, weil sowieso und überhaupt. Dann hat jeder der Projektmitglieder eine klare Vorstellung davon, wer eigentlich der Kümmerer sein sollte, nur dabei gibt’s ein Problem: Diese Vorstellungen sind sehr unterschiedlich, und vor allem: Diese unterschiedlichen Vorstellungen wurden nie besprochen! Und so wartet jeder, bis der Kümmerer endlich auf den Plan tritt und die Führung im Projekt übernimmt, aber das geschieht natürlich nicht. Zurück bleiben, neben einem zu Grabe getragenen Zombie-Projekt, häufig gegenseitige Schuldzuweisungen und Enttäuschungen. Vierte Möglichkeit, eher selten: Der Kümmerer ist klar definiert. Alle sind sich einig, wer der Kümmerer ist, und der Kümmerer nimmt diese Rolle auch wirklich wahr. Im besten Fall ist diese Einigkeit das Ergebnis einer klaren und eindeutigen Kommunikation innerhalb des Projektes. Nicht selten ist die Einigkeit aber auch ein Zufallsprodukt, weil sich die Rollenverteilung irgendwie intuitiv und automatisch so ergeben hat, ohne dass viel darüber gesprochen wurde. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Wie wird man eigentlich Kümmerer? Wie wird man zum "Kümmerer"?Also, wie wird man jetzt Kümmerer in einem Shared Project? Kommt man dazu wie die Jungfrau zum Kind, oder gibt es bestimmte Dynamiken, die jemanden in die Rolle des Kümmerers hieven? Wichtig ist zu wissen, dass die Zuständigkeit für ein Projekt - man könnte auch sagen die Autorität in einem Projekt - zugeschrieben wird. Das heißt, zum Kümmerer wird man von den anderen Projektmitgliedern gemacht. Man kann nicht so einfach das Ruder an sich reißen und sagen: „So, da bin ich jetzt, ich sage euch jetzt wo’s lang geht.“ Da müssen die anderen schon mitspielen und sagen: „Okay, wir sind damit einverstanden. Mach nur.“ Wenn das nämlich nicht der Fall ist, dann glaubst du vielleicht, du bist der Kümmerer in dem Projekt, aber in Wirklichkeit nimmt dich keiner ernst. Soll ja auch schon vorgekommen sein. Die anderen machen dich zum Kümmerer. Die Rolle des Kümmerers im Projekt wird zugeschrieben, und diese Zuschreibung erfolgt aufgrund bestimmter Kriterien. Ich nenne dir mal drei solcher Kriterien als Beispiel: Zuschreibung durch Seniorität: Der Älteste oder die Erfahrenste wird zum Kümmerer. Wenn der hiesige Sportverein einen Maskenball veranstaltet, dann wird oft der Vereinsobmann zum Kümmerer für dieses Shared Project, weil er derjenige ist, der Kraft Funktion und/oder Alter von den anderen als „Chef“ anerkannt wird. Zuschreibung durch Tradition: Für bestimmte Projekte sind seit jeher bestimmte Personengruppen zuständig. Sehr gut beobachten kann man das bei der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Der Mann ist typischerweise der Kümmerer in einem Projekt wie „Ein neues Auto kaufen“, und die Frau wird automatisch zur Kümmererin in einem Projekt wie „Den Haushalt führen“ - nämlich, und das ist wichtig: Auch dann, wenn sich beide einig sind, dass das eigentlich Shared Projects sind. Die Frau engagiert sich sehr wohl bei der Suche nach einem neuen Auto, und auch der Mann hilft fleißig im Haushalt. Aber die Frage ist eben: Wer kümmert sich um das Projekt auch dann noch, wenn sich sonst niemand mehr drum kümmert? Und da ist es dann eben häufig so, dass die Hausarbeit an der Frau hängenbleibt, wenn der Mann (aus welchem Grund auch immer) keine Zeit hat - aber eben ganz selten umgekehrt. Zuschreibung durch Initiierung: Klar, das kennt man auch: Zum Kümmerer wird der, der das Projekt vorschlägt. Das kommt ganz, ganz häufig vor. Nur, damit gibt es aus meiner Sicht zumindest zwei Probleme.  Der Initiator ist nicht immer der Best-Geeignete, um sich um das Projekt zu kümmern. Das könnten andere eigentlich viel besser. Der Initiator ist vielleicht der naheliegendste, aber nicht immer der beste Kümmerer. Der Initiator kann die Rolle manchmal schlichtweg nicht wahrnehmen. Beispiel: Die Kinder wollen einen Hund, und die Eltern lassen sich nach wochenlangem Abwehrkampf schließlich breitschlagen. Die Familie vereinbart auch, ganz klar, dass sich die Kinder um den Hund kümmern MÜSSEN. Die Kinder haben dem auch freudig zugestimmt, aber es wäre höchst naiv zu glauben...
S08E04: Dürfen wir uns in die Personal Projects anderer einmischen?  (#80)
Dec 17 2019
S08E04: Dürfen wir uns in die Personal Projects anderer einmischen? (#80)
Worum geht’s in dieser Folge?Wir sprechen in dieser Staffel ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. Und in dieser Folge möchte ich mich einer speziellen Art von Shared Project widmen - nämlich jenen Projekten, die sozusagen gekapert werden. Projekte, in die sich andere Menschen in unserem Umfeld hineinreklamieren und quasi zu einem Shared Project machen. Oder auch umgekehrt: Projekte, in die wir uns hineinmischen und zu unseren eigenen machen. Wo wir mitunter ungefragt zu „Kümmerern“ werden. Es geht also um die Frage, ob und wann und in wie weit es okay ist, sich in die Personal Projects anderer Menschen einzumischen und diese Projekte damit zu Shared Projects zu machen. Und, das ist mir wichtig: Dieses „Einmischen“ ist gar nicht unbedingt negativ gemeint, sondern man könnte es auch so formulieren: Wann dürfen wir anderen Menschen in ihren Projekten unterstützen, wann dürfen wir ihnen zur Hand gehen, wann dürfen wir Ihnen eine Last abnehmen? Ich will versuchen, in dieser Folge eine Faustregel dafür aufzustellen, an die ich persönlich mich zu halten versuche. Das heißt nicht, dass man das nicht auch anders sehen oder machen kann, aber ich erzähle hier halt mal von meinem Zugang.Aber fangen wir zuerst mal mit einer Geschichte an.Die Italiener in SambiaDiese Geschichte wird von Ernesto Sirolli erzählt. Ernesto Sirolli ist ein sehr interessanter Zeitgenosse. Er ist Italiener und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie man benachteiligte Regionen mithilfe von Entrepreneurship beleben kann. Besonders empfehlenswert ist ein TED-Talk von ihm aus dem Jahr 2012, wirklich großartig. Darin erzählt er die folgende Geschichte. In den 1970er Jahren arbeitete Ernesto Sirolli als junger Mann sieben Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika. Und er sagt, dass jedes einzelne Projekt, das sie damals in Afrika umsetzen wollten, schief gegangen ist. Jedes einzelne. Das hat ihn damals als 21-Jährigen ziemlich fertig gemacht. Er dachte damals nämlich: Wir Italiener, wir sind doch gute Menschen, und hier in Afrika leisten wir doch gute Arbeit! Und dennoch geht alles schief, was wir anfassen. Zum Bespiel das Projekt, wo Ernesto Sirolli und seine italienischen Kollegen den Menschen in Sambia zeigen sollten, wie man Gemüse anbaut. Sie kamen also in Süd-Sambia an, mit dem besten italienischen Saatgut, und sie kamen in ein wunderschönes fruchtbares Tal, das zum Sambesi-Fluss führte. Und sie zeigten den Leuten dort wie man italienische pomodori anbaut und Zucchini und so weiter.  Aber die Einheimischen dort hatten überhaupt kein Interesse, beim Gemüse-Anbau mitzuarbeiten. Und die Italiener waren erstaunt, wie gut das Gemüse in diesem Tal wuchs. Und noch mehr verwundert waren sie, warum die Einheimischen hier nicht schon längst Gemüse anbauten. Also dachten sich die Italiener: Gott sei Dank, dass wir her gekommen sind und den Menschen endlich zeigen, wie sie sich selbst helfen können. Und alles wuchs hervorragend, es gab riesengroße pomodori und wunderbare Zucchini, und die Italiener konnten es gar nicht glauben und sagten den Sambiern: „Schaut, wie einfach Landwirtschaft ist, wenn man sich nur ein bisschen bemüht.“ Als das Gemüse dann reif war und bereit zur Ernte, kamen auf einmal 200 Nilpferde den Fluss herauf und fraßen ALLES auf. ALLES, ratzeputz. Und die Italiener waren schockiert und sagten: „Mein Gott, die Nilpferde!“ Und die Sambier sagten: „Ja, deswegen haben wir hier keine Landwirtschaft.“ „Aber warum habt ihr uns das nicht gesagt?“ „Ihr habt uns nie gefragt.“ In dieser Geschichte liegt für mich der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie wir mit den Personal Projects anderer Menschen umgehen sollen und wie wir helfen können, ohne uns einzumischen. Meine persönlichen RegelnAlso, was können wir aus Ernesto Sirollis Geschichte lernen - oder, was habe ich daraus gelernt? Regel: Ernesto Sirolli selbst formuliert das in seinem TED-Talk so: „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Also, wenn du nicht um Hilfe gebeten wirst, dann halte dich raus aus den Personal Projects anderer Menschen. Mach Personal Projects nicht ungefragt und ungebeten zu Shared Projects. „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Regel: Und das ist eigentlich die Kehrseite der ersten Regel: WENN dich jemand um Hilfe bittet, WENN dich jemand in sein Personal Project einlädt, dann sei für ihn oder sie auch da. Wenn du eigeladen wirst zu helfen, wenn jemand sein Personal Project öffnet und zu einem Shared Project macht, dann hilf! Regel: Achtung: „Helfen“ bedeutet nicht, dass du das Projekt an dich reißt. Helfen bedeutet zuerst einmal: Mund halten und zuhören! Einfach mal zuhören, welche Art von Hilfe eigentlich gewünscht wird. Oder Fragen stellen, um herauszufinden, welche Rolle du in diesem Shared Project eigentlich spielen sollst. Nicht gleich loslegen wie die italienischen Entwicklungshelfer, nach dem Motto: „Gott sei Dank bin ich jetzt da, um dich und das Projekt zu retten." Sondern Mund halten und zuhören. Du kannst ruhig davon ausgehen, dass er andere etwas weiß, das du nicht weißt. Regel: Und das ist die Kehrseite der dritten Regel: Es ist in UNSERER Verantwortung, um Hilfe zu fragen. Wenn wir Hilfe bei unseren Personal Projects brauchen, oder wenn wir Projekte mit anderen Menschen umsetzen möchten, dann liegt es an uns, diese Projekte zu öffnen und andere Menschen in diese Projekte einzuladen. Wir dürfen nicht da sitzen und warten, bis endlich jemand unser Elend erkennt und sich unser erbarmt. Nein, es liegt an uns. Bittet, und es wird euch gegeben.  Die 5. Regel ist jetzt die Ausnahme von den anderen vier Regeln: Ich habe für mich festgestellt, dass es EINEN Fall gibt, wo man sich tatsächlich ungefragt einmischen darf - bis zu einem gewissen Maß zumindest. Und das ist, wenn Menschen wirklich in schweren Krisen sind. Wenn jemand schwer verletzt am Boden liegt, warte ich nicht, bis ich zum Helfen eingeladen werde. Und genauso ist es auch bei schweren persönlichen Krisen wie Krankheit oder Trennung oder Tod. Da ist es aus meiner Sicht okay, ja mehr noch: Da ist es aus meiner Sicht geboten sich einzumischen, und zwar um dabei zu helfen, dass dieser Mensch wieder festen Boden unter den Füßen bekommt. Also da dürfen wir ungefragt was zu essen vorbei bringen oder Besorgungen erledigen und so weiter. Menschen in solchen Krisensituationen sind oft nicht fähig, um Hilfe zu fragen, weil sie gar nicht mehr einschätzen können, was sie brauchen oder was ihnen gut tut. Oder weil es in solchen Situationen viel zu demütigend wäre, von selbst um Hilfe zu fragen. Aber ansonsten bleibe ich bei der Regel:  „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Und gleichzeitig: Wenn mich jemand um Hilfe bittet, dann versuche ich auch zu helfen. Nämlich indem ich zuerst mal meinen Mund halte und zuhöre. Das gelingt mir mal besser und mal weniger gut, aber ich denke, es lohnt sich dranzubleiben. ZusammenfassungWenn du dir eine Sache aus dieser Folge mitnehmen sollt, dann wäre es das:  Ich halte es für das Beste, sich nicht ungefragt in die Personal Projects anderer einzumischen. Wenn du helfen möchtest, dann warte darauf, bis du eingeladen wirst oder frag aktiv nach, WIE du helfen kannst. Gleichzeiti...
S08E05: Shared Projects in Partnerschaften (#81)
Jan 14 2020
S08E05: Shared Projects in Partnerschaften (#81)
Worum geht’s in dieser Folge?Ich bin frisch und munter aus der Weihnachtspause zurück, und mit der ersten Folge des Jahres 2020 geht die aktuelle 8. Staffel weiter. In dieser 8. Staffel sprechen wir ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. In dieser Folge möchte ich eine ganz besonders spannende Art von Shared Projects besprechen, nämlich die Shared Projects, die wir innerhalb von Beziehungen umsetzen. Und mit „Beziehungen” meine ich in erster Linie Lebenspartnerschaften oder Lebensgemeinschaften, also klassischerweise die Shared Projects in einer Ehe oder sonst irgend einer partnerschaftlichen Verbindung. Und aus dieser Sicht einer partnerschaftlichen Zweierbeziehung werde ich diese Projekte auch besprechen.Du kannst das Ganze aber gerne auch weiter denken. Was ich sage, gilt vermutlich ohne irgendwelche Abstiche auch für andere Beziehungen, z.B. zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern oder zwischen guten Freunden. Das einzige, wo meiner Ansicht nach andere Regeln gelten und wo das, was ich heute sage, so nicht 100%ig stimmt, sind Beziehungen im Job, also Arbeitsbeziehungen. Die funktionieren etwas anders, und deshalb gilt das, was ich in dieser Folge sagen werde, nur für enge private Beziehungen.  Zur Frage, wie man in Beziehungen, im Partnerschaften, in Ehen gut miteinander auskommt... dazu sind schon viele Bücher geschrieben worden, dazu haben schon viele Menschen ganz viel gesagt, und dazu gibt es dennoch keine letztgültigen Antworten. Und deshalb will ich in dieser Folge auch nicht irgendwelche 10 besten Tipps für gelingende Partnerschaften geben, die dann mehr oder weniger passend und hilfreich sind. Davon gibt's im Internet genug, und dazu gibt's auch genügend Podcasts. Ich will stattdessen was versuchen, was es wahrscheinlich nur hier in diesem Podcast gibt. Und zwar: Was können wir denn von der Personal Projects Theorie lernen für unsere Projekte in Partnerschaften? Was hat denn die Personal Projects Theorie für einen besonderen Blick auf die Sache, und vielleicht ergibt sich daraus auch eine neue Sichtweise für den einen oder anderen meiner Hörerinnen und Hörer. Das wäre schön, und das will ich versuchen. Also, um eine Beziehung aus der Sicht der Personal Projects Theorie zu verstehen, müssen wir uns dieses Beziehung auf drei verschiedenen Ebenen vorstellen. Und auf jeder dieser Ebene gibt es Personal Projects, aber diese Personal Projects funktionieren auf jeder Ebene ganz unterschiedlich. Und wenn wir das verstehen, welche Projekte auf welcher Ebene laufen und wie die Spielregeln dafür sind, dann verstehen wir aus Sicht der Personal Projects Theorie auch, warum manche Partnerschaften besser und manche weniger gut gelingen. Erste Ebene: Die Beziehung als Personal ProjectOkay, sehen wir uns mal die erste der drei Ebenen an. Wir können uns die Beziehung an sich als Personal Project vorstellen. Die Beziehung als ein Projekt, an dem zwei Menschen gemeinsam arbeiten. Sehr häufig ist das für diese beiden Menschen auch nicht irgendein Projekt, sondern ein Herzensprojekt. Das merkt man daran, dass wenn man Menschen trifft, bei denen es in der Ehe gerade nicht so rund läuft, dann merkt man, dass deren ganzes Leben irgendwie durcheinander geraten ist. Da ist also nicht nur die Beziehung betroffen, sondern das schlägt sich auch auf die Gesundheit, das hat Auswirkungen auf den Job und so weiter. Das ist ein typisches Zeichen, dass es sich eben um ein Herzensprojekt, ein core project, handelt. Und das ist ja auch etwas, das wir im täglichen Sprachgebrauch auch immer wieder hören: An einer Beziehung, an der muss man arbeiten. Wie in einem Projekt, an dem muss man ja auch immer arbeiten. Und in gewisser Weise stimmt das schon, aber es gibt etwas ganz Wichtiges, das wir bei dieser Beziehungsarbeit verstehen müssen. Wir müssen nämlich aufpassen, dass wir hier Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte nicht verwechseln. Und leider kommt genau das sehr häufig vor. Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte... dazu habe ich in der 3. Staffel eine ganze Episode aufgenommen, nämlich Episode 3.  Wenn du diese Folge noch nicht gehört hast, dann ganz kurz, worum geht's dabei? Ich behaupte, es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Typen von Projekten, die nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren, nämlich eben Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte. Die Leistungsprojekte bezeichne ich auch sehr gerne als „Ergebnisprojekte”, weil damit noch klarer wird, worum es geht. Es ist ganz wichtig, dass wir bei jedem Personal Project wissen, ob es sich im Grunde um ein Ergebnisprojekt oder ein Beziehungsprojekt handelt, denn wenn wir das verwechseln und ein Beziehungsprojekt wie ein Ergebnisprojekt behandeln (und umgekehrt), dann gute Nacht. Kurz nochmals zur Wiederholung: Was sind Ergebnisprojekte? Ergebnisprojekte sind Personal Projects, bei denen ein konkretes Ergebnis im Vordergrund steht. Man macht dieses Personal Project, weil etwas ganz Bestimmtes, Konkretes, Messbares herauskommen soll. Es geht bei Ergebnisprojekten also darum, ein ganz konkretes Problem zu lösen, eine ganz bestimmte Aufgabe zu erledigen, für ein Personal Project einen ganz bestimmten Output zu bekommen. Ein Beispiel für ein Ergebnisprojekt wäre z.B. „den nächsten Familienurlaub planen”. Da gibt es ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, und man weiß auch ziemlich genau, wann man mit dem Projekt fertig ist und auch, ob das Projekt erfolgreich war oder nicht - je nachdem, ob man’s geschafft hat, einen Familienurlaub zu buchen, mit dem alle Familienmitglieder leben können - oder eben nicht. Beziehungsprojekte dagegen funktionieren ganz anders. Also, was ist jetzt ein Beziehungsprojekt? Beziehungsprojekte sind Personal Projects, wo es weniger um ein konkretes Ergebnis geht, sondern wo sich der Output nicht so einfach messen lässt. Beziehungsprojekte stehen quasi unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel”. Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr man in ein Beziehungsprojekt investiert, desto besser wird das Ergebnis. Und diese Mehr-Investition zahlt sich tatsächlich aus und wird auch von anderen honoriert. Es ist aber bei Beziehungsprojekten nicht so, dass es kein Ziel gibt. Das gibt es sehr wohl. Man will auch mit einem Beziehungsprojekt etwas erreichen. Aber ein Personal Project, das ein Beziehungsprojekt ist, hat kein so klares und bestimmtes Ergebnis vor Augen wie ein Ergebnisprojekt. Es soll was rauskommen, aber was es genau ist, das lässt sich nicht so eindeutig sagen. Und es geht auch nicht darum, dass dieses Ergebnis möglichst rasch und mit möglichst wenig Aufwand erreicht wird. Wie gesagt: Der Weg ist das Ziel. Eine partnerschaftliche Beziehung ist, no na, ein Beziehungsprojekt. Und zwar ein ziemlich mächtiges Beziehungsprojekt. Vielleicht eines der herausforderndsten Personal Projects unseres Lebens überhaupt.  Was bedeutet das jetzt für uns: Es bedeutet, dass wir unsere Beziehung an sich wie ein langes Beziehungsprojekt sehen können.  Dieses umfangreiche Beziehungsprojekt… bei dem geht es nicht darum, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Da geht es nicht darum, irgendwelche Ziele zu erreichen. In so einem Beziehungsprojekt, da gibt es auch keine Gewinner und Verlierer. Man kann ein Beziehungsprojekt nicht „gewinnen". Wen...
S08E06: Der Business Breakfast Club (#82)
Jan 24 2020
S08E06: Der Business Breakfast Club (#82)
Worum geht’s in dieser Folge?Wir sind ja mitten in Staffel 8 des Podcasts, und in dieser 8. Staffel geht es ja um unsere Shared Projects. Deshalb habe ich mir gedacht, wär’s vielleicht eine gute Idee, mal über ein ganz konkretes Shared Project von mir zu reden, sozusagen als Case Study. Dabei geht es mir nicht so sehr um das Shared Project an sich, sondern eher um die Meta-Ebene, also was wir von diesem konkreten Projekt aus Sicht der Personal Projects Theorie sagen und lernen können. Und dieses Projekt, von dem ich hier sprechen will, ist der Business Breakfast Club.Wie ist das Projekt entstanden?Um euch zu erklären, worum es beim Business Breakfast Club geht, erzähle ich euch zuerst mal, wie das Projekt überhaupt entstanden ist.Dieses Shared Project hat sich 2012 entwickelt, also vor rund 8 Jahren. Damals waren Viki und ich gerade mal ein halbes Jahr zusammen, und wir hatten folgendes Problem: Wir waren damals beide beruflich ziemlich eingespannt. Wir verbrachten beide viel Zeit in unseren jeweiligen Jobs, sodass wir kaum wirklich die Zeit hatten, uns darüber zu unterhalten, was es so Neues gibt. Und so ist es immer häufiger passiert, dass einer von uns gesagt hat: „Ach ja, das wollte ich dir erzählen, aber dann, irgendwie…” Dann ist immer irgendwas dazwischen gekommen, oder wir haben vergessen, wichtige Neuigkeiten weiterzusagen oder wir waren schlicht zu müde. Morgen ist ja, bekanntlich, auch noch ein Tag.Jedenfalls ist es uns damals nicht gelungen, dass wir uns spontan Zeit nehmen, uns gegenseitig upzudaten. Deswegen hatte ich eines Tages eine Idee, wie sie nur von einem strukturierten Management-Typen wie mir kommen kann: Warum legen wir nicht einen fixen Termin fest, wo wir beide ganz konzentriert über alles sprechen, was es in unserer Partnerschaft zu besprechen gibt? Einen fixen Termin einmal pro Woche, wo jeder sagen kann, was ihm oder ihr auf dem Herzen liegt? So, wie wir es ja auch in unseren Jobs machen, in denen wir so viel Zeit verbringen.Und weil wir beide gerne frühstücken, hatten wir die Idee,  das Angenehme gleich mit dem Nützlichen zu verbinden und diese Besprechung bei einem Frühstück in einem netten Lokal zu halten. So entstand dann auch der Name „Business Breakfast Club”. „Business” deswegen, weil es bei dem Frühstück eben vor allem um die „geschäftlichen”, die administrativen Dinge unserer Partnerschaft geht. Und unter diesem Namen läuft dieses Projekt bei uns jetzt eben schon acht erfolgreiche Jahre lang.Was ist der Business Breakfast Club genau?Der Business Breakfast Club ist also ein Shared Project von meiner Frau, Viki, und mir. Der Business Breakfast Club sind anderthalb bis zwei Stunden pro Woche, die sich Viki und ich für unsere ganzen Shared Projects Zeit nehmen. Der Business Breakfast Club ist also eine wöchentliche Besprechung zwischen uns, wo wir über unsere Pläne, Projekte, Termine, To Dos … für die kommenden Tage, Wochen und Monate reden. Dazu gehen wir (wann immer möglich) in ein Lokal frühstücken. So verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen. Für unseren Business Breakfast Club haben wir einen fixen Zeitpunkt in der Woche ein, in der Regel ist das der Samstag. Das ist auch fix in unserem Kalender eingetragen.  Dieser regelmäßige fixe Termin hat einen Riesenvorteil: Wir können uns beide darauf verlassen, dass wir am Samstag über alle „operativen“ Sachen sprechen werden, also über alles, was es in unserer Partnerschaft - und seit ein paar Jahren auch in unserer Familie mit zwei Kindern - zu managen gibt. Dadurch entspannt sich die restliche Woche ungemein. Wir müssen nicht am Abend, wenn wir müde sind, darüber reden, wie wir jetzt mit der Krabbelstube für unsere Tochter tun. Nein, das können wir konzentriert am Samstag machen, wenn wir ausgeschlafen sind und wenn wir uns bewusst für genau diese Fragen Zeit nehmen. Wie gesagt, wir machen das seit fast 8 Jahren und haben schon rund 340 gemeinsame Business Breakfasts gehabt. Für uns ist das inzwischen ein sehr wichtiges Ritual geworden, das wir beide sehr schätzen. Es ist so wichtig, dass wir es auch weitergeführt haben, als die Kinder dazu gekommen sind. Die sind jetzt im Business Breakfast Club einfach dabei - im Moment noch mehr passiv als aktiv, aber das wird sich wahrscheinlich mit den Jahren auch noch ändern, wer ma sehen. Aus der Sicht der Personal Projects Theorie betrachtet, könnte man sagen, dass der Business Breakfast Club ein ganz wichtiges Element in unserem Shared Projects Management ist. Das gemeinsame Frühstück ist sowas wie eine Weekly Review unserer Shared Projects, wo wir Projektfortschritte besprechen und die nächsten Schritte gemeinsam festlegen. Und, was auch ganz wichtig ist: Wir treffen bei diesen Business Breakfasts gemeinsam Entscheidungen, und das in einem strukturierten Rahmen, in dem wir uns beide wohl fühlen. Damit verhindern wir auch, dass Shared Projects, die uns eigentlich sehr wichtig wären, einfach einschlafen und versanden, weil sich niemand drum kümmert. Wie gesagt, der Business Breakfast Club ist uns beiden sehr wichtig geworden. Wir lassen ihn daher auch nur sehr, sehr ungern ausfallen, und wir machen ihn auch im Urlaub. Wenn es doch mal am Samstag nicht geht, versuchen wir ihn an einem anderen Wochentag unterzubringen. Manchmal haben wir uns auch einfach am Wohnzimmertisch zusammengesetzt, wenn’s nicht anders ging. Man könnte sagen, dass uns dieses Shared Project „heilig" geworden ist. Für diejenigen unter euch, die jetzt neugierig geworden sind und wissen wollen, wie so ein Business Breakfast konkret abläuft, für die habe ich noch ein paar Hinweise und Tipps. Wie läuft ein Business Breakfast konkret ab?Also, wir frühstücken jeden Samstag miteinander. Dazu gehen wir meistens in ein Lokal. Früher, in der guten alten Zeit, wo wir noch keine Kinder hatten, da haben wir uns den Spaß gemacht, dass wir jede Woche in ein anderes Lokal zum Frühstücken gegangen sind. Jetzt, mit den Kindern, haben wir inzwischen ein Stammlokal gefunden. Unser Stammlokal ist es vor allem deswegen geworden, weil es eine Spiele-Ecke hat, wo die Kinder spielen können, während wir Erwachsenen besprechen. Um die Themen zu sammeln, die wir beim Business Breakfast besprechen wollen, haben wir folgende Lösung gewählt: Wir haben beide Evernote auf unseren Handys installiert. Evernote, das ist ein Notiz-Programm, von dem ich schon öfter in diesem Podcast erzählt habe und das zu einem ganz wichtigen Grundpfeiler in meinem Personal Project Management geworden ist. In Evernote haben wir ein gemeinsames Notizbuch, in das jeder von uns jederzeit neue Notizen einfügen kann oder auch eine bestehende Notiz updaten.  Jede einzelne Evernote-Notiz steht für ein Thema, das wir besprechen wollen. Also, wenn ich, sagen wir, gerade in der Arbeit bin und mir fällt etwas ein, das ich gerne mit Viki besprechen will, dann nehme ich mir mein Handy, öffne Evernote und lege in unserem gemeinsamen Notizbuch eine Notiz an, wo ich reinschreibe, was ich besprechen will. Vorausgesetzt natürlich, es kann bis nächsten Samstag warten. Und Viki macht genau das Gleiche. Der Clou ist jetzt, dass jeder von uns unter der Woche in unserem gemeinsamen Evernote-Notizbuch herumfuhrwerken kann, wie er oder sie will. Jeder von uns kann Notizen hinzufügen und damit neue Themen auf die Agenda setzen. Oder jeder von uns kann bei einer bestehenden Notiz etwas...