S08E02: Erfolg ist unwahrscheinlich (#78)

[Projekt: Leben]

Dec 3 2019 • 17 mins

Worum geht's in dieser Folge?

In dieser 8. Staffel des Podcasts geht es ja um Shared Projects, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen unternehmen. In dieser Folge möchte ich der harten Wahrheit ins Auge sehen, dass der Erfolg solcher Shared Projects ziemlich unwahrscheinlich ist. Und ich werde dir auch erklären, warum das aus meiner Sicht so ist.

Dazu vorab mal eine kurze Geschichte aus meinem Leben: Gehen wir zurück ins Jahr 2002. Da war ich gerade Student an der Fachhochschule in St. Pölten, Studiengang „Medienmanagement“. Dort haben wir Studenten viel gehört über Medientheorie und Kommunikationstheorie, und da war etwas dabei, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es war ein Satz von Niklas Luhmann, einem deutschen Soziologen. Und Niklas Luhmann hat gesagt: „Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“

Kommunikation ist unwahrscheinlich… Als ich das zum ersten Mal gehört habe, da habe ich mir gedacht: Was für ein Stuss. Typisch junger Student halt. Wie kann es sein, dass Kommunikation unwahrscheinlich ist, wo es doch so offensichtlich ist, dass Kommunikation funktioniert. Wir sehen es jeden Tag, dass Menschen miteinander reden und dabei auch was raus kommt. Damals habe ich für mich mitgenommen, dass ich nicht alles glauben sollte, was irgendein gescheiter Wissenschaftler erzählt.
Und während ich immer noch glaube, dass man nicht glauben soll, was einem von so genannten Experten erzählt wird, so hat mich dieser Satz doch über die Jahre begleitet. Kommunikation ist unwahrscheinlich… Mit dem Satz im Hinterkopf ist mir über die Jahre aufgefallen, wie viele, viele Missverständnisse es in der täglichen Kommunikation gibt. Wie oft es vorkommt, dass wir einander nicht richtig verstehen und, wenn wir ganz ehrlich sind, wie oft es vorkommt, dass wir einander gar nicht richtig zuhören. Oder, überhaupt, wie oft gar nicht alles gesagt wird, was eigentlich zu sagen wäre.

Kommunikation ist unwahrscheinlich… Ich glaube heute, dass das stimmt. Niklas Luhmann hatte recht. Es ist ein nützliches Personal Construct davon auszugehen, dass das Missverständnis der Regelfall ist, nicht die Ausnahme. Wirklich gelungene Kommunikation ist viel seltener, als wir vielleicht naiverweise annehmen. Misserfolg in der Kommunikation ist viel wahrscheinlicher als Erfolg.

Wenn wir jetzt unsere Personal Projects und besonders unsere Shared Projects ansehen, dann bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass auch in Shared Projects der Erfolg unwahrscheinlich ist. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher als dass wir mit Shared Projects glücklicher werden, ist, dass sie uns mehr Sorgen als Freude bereiten. Wie gesagt, das heißt nicht, dass Shared Projects nicht auch glücken können, aber aus meiner Sicht ist es vernünftig davon auszugehen, dass Erfolg die Ausnahme ist, nicht die Regel. Erfolg in Shared Projects ist unwahrscheinlich, davon bin ich überzeugt.

Das ist vielleicht eine sehr pessimistische Sicht der Dinge, gerade zum Anfang einer ganzen Staffel, in der es um Shared Projects geht. Aber Ich will euch jetzt erklären, warum ich Erfolg in Shared Projects für unwahrscheinlich halte und auch, was diese geringe Erfolgswahrscheinlichkeit für unseren Umgang mit Shared Projects bedeuten könnte.

Ich behaupte also, dass Erfolg in unseren Shared Projects unwahrscheinlich ist. Aber wie komme ich zu dieser Behauptung? Ich will euch dafür sieben Argumente geben.

1) Initialisierung

Es fängt schon ganz am Anfang an. Es macht einen wesentlichen Unterschied, WER das Shared Project ins Leben ruft. Es macht einen Unterschied, ob ich das selbst bin oder ob mich jemand anderer mit einem Projekt „zwangsbeglückt“. Projekte, die wir auf’s Auge gedrückt bekommen, sind selten sehr motivierend für uns. Das ist auch der Grund, warum so viele Shared Projects im Job scheitern: Diese Projekte haben sich die meisten nicht ausgesucht, und entsprechend gering ist die Bereitschaft, wirklich alles beizutragen, was dieses Projekt zum Erfolg bräuchte. Gemeinsame Projekte, die man nicht selbst initiiert hat, haben schon mal eine wesentlich höhere Grundwahrscheinlichkeit zu scheitern als solche, die von einem selbst ausgehen.

2) Unterschiedliche Warum

In Episode 2 der 6. Staffel habe ich bereits darüber gesprochen, wie essentiell das Warum eines Personal Projects für den Erfolg ist. Das gilt umso mehr für Shared Projects. Damit Shared Projects Erfolg haben, brauchen sie ein gemeinsames Warum aller Beteiligten. Alle Beteiligten müssen sich einig sein, warum und wozu es das Projekt gibt und was sie damit eigentlich erreichen wollen. Man kann sich vorstellen, dass so ein gemeinsames Warum immer schwieriger wird, je mehr Menschen an den Projekt beteiligt sind. Aber auch schon in Projekten, wo nur zwei Menschen zusammenarbeiten, passiert es ganz leicht, dass die Warum sehr unterschiedlich sind. Nehmen wir das Shared Project „Gemeinsam in Urlaub fahren“ her. Sagen wir, er möchte diesen Urlaub machen, weil er sich freut, viel Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Ihr aber geht es in Wirklichkeit darum, möglichst viel Sightseeing zu machen. Zwei unterschiedliche Warum, die aber durchaus gut zusammenpassen können. Sie können sich ja gemeinsam viel ansehen und dabei Zeit miteinander verbringen. Problematisch wird das nur, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Sagen wir, das Wetter ist schlecht, oder einer der beiden wird im Urlaub krank. Er sagt dann: Nicht so schlimm, wir können uns ja auch im Hotelzimmer gemeinsam eine schöne Zeit machen. Aber sie ist total unglücklich, weil sie um ihr Warum, das Sightseeing, umfällt. Es wird unausweichlich zu Konflikten kommen, und es wäre nicht der erste Pärchenurlaub, der im Streit endet.

3) Unterschiedliche Werte

Die zweite Folge der zweiten Staffel dieses Podcast trug den Titel „Am Ende sind es immer deine Werte“ - und das trifft auf Shared Projects umso mehr zu. Wenn gemeinsame Projekte gelingen sollen, dann braucht es gemeinsame Werte - nämlich immer dann, wenn die Situation nicht ganz eindeutig ist - was ja in Projekten eher der Normalfall ist. Gemeinsame Werte sorgen dafür, dass man gemeinsame Entscheidungen treffen kann. Beim Thema Geld sieht man das wunderbar, nämlich auch, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Werten aufeinander treffen. Kannst du dir ein Shared Project vorstellen, wo ein Mensch mit dem Wert „Sparsamkeit“ mit einem Menschen mit dem Wert „Genießen“ aufeinandertreffen? Ich kann mir das schon vorstellen, aber eine schöne Vorstellung ist das nicht.

4) Transaktionskosten

Transaktionskosten, das ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaft, aus der Kostenrechnung, genauer gesagt. Mit Transaktionskosten ist gemeint, dass jede Form von Transaktion, also jede Form von Austausch, mit Kosten verbunden ist. Ich denke, das können wir uns auch für Shared Projects gut vorstellen. Wenn man mit anderen Menschen in Projekten zusammenarbeitet, dann ist das aufwendig - oft viel aufwendiger, als wenn man es allein machen würde. Sich abstimmen, miteinander reden, anderen zuhören, über neue Ideen nachdenken… das ist alles aufwendig, es kostet vielleicht kein Geld, aber doch Zeit und Nerven. Transaktionskosten eben. Mitunter können diese Transaktionskosten so hoch sein, dass die Shared Projects zum Scheitern bringen. Nehmen wir als Beispiel wieder den Urlaub her. Der eine oder die andere von euch hat vielleicht schon die Erfahrung gemacht, wie es ist, als Pärchen gemeinsam mit einem anderen Pärchen Urlaub zu machen. Wem es bei der Erinnerung an einen solche...